ZERTIFIKAT DEUTSCH / TELC DEUTSCH B1 · SOLUTION BOOK
Modelltest 1 — Umziehen, arbeiten, ankommen
The official Punkteschlüssel, reasoning on all 60 items, all four transcripts, the writing task's criteria and the four oral criteria with their bands.
PUNKTE UND GEWICHTUNG
OFFICIAL KEY · 300 POINTS
| Leseverstehen | Teil 1 1–5 · Teil 2 6–10 · Teil 3 11–20 | 75 P |
| Sprachbausteine | Teil 1 21–30 · Teil 2 31–40 | 30 P |
| Hörverstehen | Teil 1 41–45 · Teil 2 46–55 · Teil 3 56–60 | 75 P |
| Schriftlicher Ausdruck | eine E-Mail, vier Leitpunkte, drei Kriterien ×3 | 45 P |
| Teilergebnis I — written | pass line 60 % | 225 P · pass at 135 |
| Mündlicher Ausdruck | Teil 1 15 · Teil 2 30 · Teil 3 30 | 75 P · pass at 45 |
Grades: 270–300 sehr gut · 240–269,5 gut · 210–239,5 befriedigend · 180–209,5 ausreichend · 0–179,5 nicht bestanden. The grade exists only once BOTH halves are above 60 %.
LESEVERSTEHEN
ITEMS 1–20 · 75 P
TEIL 1 — HEADLINES FOR TEXTS 1–5
- 1 · JDer Text beschreibt ein Haus, das von Anfang an auf Gemeinschaft geplant wurde („Die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner saßen zwei Jahre lang mit am Tisch“) — das trifft „Nachbarschaft von oben: ein Haus, das Gemeinschaft plant“.
- 2 · DEs geht um einen Deutschkurs, der gerade Ankommende in Läden und am Bahnhof unterrichtet: „Einen neuen Deutschkurs dieser Art gibt es seit diesem Semester in Dortmund“ — das ist „Neu in der Stadt: ein Kurs für alle, die ankommen“.
- 3 · HDie Stadtbibliothek verleiht Werkzeug statt Bücher („Statt Bücher verleiht sie dort inzwischen Werkzeug, eine Nähmaschine, zwei Bohrhämmer“) — die Überschrift „Bibliothek der Dinge: Werkzeug ausleihen statt kaufen“ trifft genau das.
- 4 · GIm Mittelpunkt stehen neue Radwege und ihre Folgen: „In Regensburg sind in zwei Jahren 40 Kilometer neue Radwege entstanden“ — also „Mit dem Rad zur Arbeit: Städte bauen um“.
- 5 · BGesucht werden Studierende, die beim Umzug helfen und Geld verdienen („bekommen dafür einen Stundenlohn, der über dem üblichen Umzugspreis liegt“), und der Text endet mit „Gesucht werden vor allem Studierende mit Führerschein“ — die Überschrift „Umzugshelfer gesucht: Studenten verdienen sich etwas dazu“ nennt genau beides.
TEIL 2 — A/B/C FOR ITEMS 6–10
- 6 · B — Weil der Ort den Laden als Genossenschaft selbst übernommen hat„Wer 100 Euro einlegt, wird Mitglied einer Genossenschaft und darf mitentscheiden“ — der Laden gehört den Einwohnern; die Gemeinde stellt nur das Gebäude (Option c ist damit eine wahre, aber nicht die richtige Antwort).
- 7 · A — Jeder, der einlegt, kann bei der Auswahl der Waren mitbestimmen„Wer 100 Euro einlegt, wird Mitglied einer Genossenschaft und darf mitentscheiden, was im Regal steht“ — die Mitgliedschaft hängt am Beitrag, nicht an Mitarbeit oder am Wohnort allein.
- 8 · B — Sie bekommen kein Geld, aber einen Anteil am möglichen Gewinn„Bezahlt werden sie nicht, aber sie bekommen am Jahresende einen Anteil, wenn etwas übrig bleibt“ — ein Anteil, kein Gehalt.
- 9 · B — Sie sagt offen, dass am Ende nichts übrig geblieben ist„… was im ersten Jahr nicht der Fall war“ bezieht sich auf den Anteil, der am Jahresende ausgezahlt würde — er wurde nicht ausgezahlt. Ihre Begründung steht direkt daneben: „sondern um zu wissen, wie viel fehlt“.
- 10 · B — Eine Postfiliale„Wer heute im Dorf fragt, was fehlt, hört keinen Lebensmittelladen mehr, sondern eine Postfiliale“ — die Lücke ist eine Poststelle. Ein Treffpunkt existiert seit der Eröffnung („treffen sich dreimal pro Woche die Älteren des Dorfes dort“).
TEIL 3 — ADS A–L OR X FOR SITUATIONS 11–20
- 11 · AGebrauchte Möbel mit Lieferung („Gebrauchte Möbel aus Haushaltsauflösungen“ und „Lieferung im Stadtgebiet ab 20 Euro“) — für zwei Zimmer ohne Auto ist die Lieferung die Bedingung, nicht der Preis allein.
- 12 · B„montags und mittwochs 18.30–20.00 Uhr“ und „Einstufung kostenlos, Anmeldung jederzeit“ — ein Abendkurs; Anzeige l ist der Vollzeitkurs und scheidet aus.
- 13 · CDas Reparaturcafé repariert Elektrogeräte, und der Beitrag ist freiwillig („Beitrag frei, Spende erbeten“) — günstiger als ein Neugerät.
- 14 · D„Grundschulkinder von 6 bis 12 Jahren“ und „jeden Schultag bis 17 Uhr“ — genau die Betreuung nach der Schule, die ein Kind von 9 Jahren braucht.
- 15 · EStundenweise Umzugshelfer, ausdrücklich auch samstags („auch kurzfristig, auch samstags“) — die Anzeige nennt die Aufgabe, nicht nur die Branche.
- 16 · XKeine Anzeige passt: Die einzige Internet-Anzeige verspricht „Einrichtung innerhalb von drei Wochen“ — gefordert war ein Anschluss, der nächste Woche funktioniert. Also X.
- 17 · GMöbel weitergeben statt verkaufen: „Spenden Sie Möbel, die noch gut sind — wir holen sie ab“ und die Sortierung für Familien mit kleinem Einkommen.
- 18 · K„Inspektion und Bremsenprüfung ab 29 Euro“ — Bremsen und Fahrtüchtigkeit des gebrauchten Rads, dazu Ersatzteile am Lager.
- 19 · I„58 qm, Balkon, Einbauküche, Warmmiete 690 Euro“ und „frei ab 1. des kommenden Monats“ erfüllen beide Bedingungen der Situation.
- 20 · XKeine Anzeige passt: Das Viertelbüro bietet Kaffee- und Spieleabende, aber „Sportangebote nur für Kinder und Jugendliche“ — ein Sportkurs für Erwachsene fehlt. Also X.
SPRACHBAUSTEINE
ITEMS 21–40 · 30 P
TEIL 1 — GRAMMAR, GAPS 21–30
- 21 · C — Was„Was ich dir noch erzählen wollte“ — Relativ- bzw. Fragepronomen als Objekt des Nebensatzes; „Womit“ braucht ein Mittel, „Aber“ wäre kein Satzglied.
- 22 · A — mehr„mehr … als“ ist der Komparativ, den der Anschluss „als über den Umzug selbst“ verlangt; „besser“ bildet keinen Vergleich mit „als“ in dieser Konstruktion.
- 23 · C — von ihnenBezug ist „Die Firma“ als handelnde Instanz, und das Pronomen steht für die Personen dort: „von ihnen“ — „von ihm“ wäre die Firma als Einzelperson.
- 24 · A — mit„jemanden mit Organisationstalent“ ist die feste Fügung mit der Eigenschaft; „ohne“ kehrt die Bedeutung um, „für“ verlangt eine andere Ergänzung.
- 25 · A — richtige„die richtige Stelle“: Die Lücke steht nach dem bestimmten Artikel und vor einem femininen Nomen im Nominativ — Endung -e.
- 26 · B — weilEs wird ein Grund genannt und der Nebensatz endet mit „konnte“ — Verb am Ende: „weil ich das Studium nicht mehr verlängern konnte“.
- 27 · B — erstNach zwei Wochen nur Absagen fand sie die Wohnung erst spät („über eine Nachbarin“) — „erst“ markiert das Späte, „schon“ würde das Gegenteil behaupten.
- 28 · B — denen„mit denen ich früher zusammengewohnt habe“: Dativ Plural nach der Präposition „mit“.
- 29 · A — der„die Schlüssel der Vormieterin“ — Genitiv feminin; die Schlüssel gehören ihr, sie gibt sie nicht zurück, sie bekommt sie.
- 30 · A — dich„ich muss dich noch einiges fragen“ — Akkusativobjekt des Verbs fragen; „dir“ wäre Dativ.
TEIL 2 — LEXIS, GAPS 31–40 FROM THE WORDS A–O
- 31 · F — für„interessiere mich sehr für die Wohnung“ — Verb + Präposition: sich interessieren für + Akkusativ. „auf“ wäre der andere Präpositionsblock, passt aber nicht zu interessieren.
- 32 · E — fünf„suchen seit fünf Monaten“ — seit + Dativ Plural; die Zahl passt zur Formulierung, dass die Suche Monate dauert.
- 33 · O — zu„einfach zu klein geworden“ — zu + Adjektiv nennt den Grund des Problems, nicht nur das Adjektiv.
- 34 · H — mehrere„Wohnen in Ihrem Haus mehrere Familien mit Kindern?“ — das Verb im Plural („Wohnen“) verlangt die Pluralform; „mehrere“ ist das einzige Wort im Pool, das Quantität ausdrückt.
- 35 · C — damit„einen Kindergarten gibt, damit die Kinder morgens zu Fuß gehen könnten“ — damit + Nebensatz mit Modalverb (Zweck).
- 36 · G — im„bereit, im Mai einzuziehen“ — Zeitangabe mit Monatsnamen im Dativ.
- 37 · L — uns„Bitte schicken Sie uns bald eine Antwort“ — Dativobjekt des halbformellen Briefs (der Absender spricht für die Familie).
- 38 · K — stellt„Unsere jetzige Vermieterin stellt uns … eine Bescheinigung“ — Nomen-Verb-Verbindung: eine Bescheinigung ausstellen/„stellen“.
- 39 · A — auf„Ich freue mich auf Ihre Nachricht“ — sich freuen auf + Akkusativ bei etwas Kommendem. („über“ würde sich auf etwas Vergangenes beziehen und steht hier nicht im Pool.)
- 40 · B — bei„Bei Rückfragen erreichen Sie mich“ — bei + Dativ als feste Formel am Briefende.
UNUSED POOL WORDS: D DESHALB · I OHNE · J SCHNELL · M WELCHE · N WERDEN
HÖRVERSTEHEN
ITEMS 41–60 · 75 P · PLUS = RIGHT, MINUS = WRONG
TEIL 1 — FIVE TEXTS, EACH ONCE
- 41 · + RICHTIG„Ich habe gestern beim Vermieter angerufen“ — der Anruf hat stattgefunden; die Folge ist nur eine Aufgabe für die Hausgemeinschaft: „wir müssen sie selbst beim Bauhof abholen“.
- 42 · – FALSCH„ich habe über hundert geschrieben“ — die Zahl war hoch; zu lange gesucht hat er, weil er „zu lange geglaubt“ hat, nur große Konzerne hätten gute Arbeit.
- 43 · + RICHTIG„Am schwierigsten war für mich nicht die Grammatik, sondern das Sprechen selbst: Ich hatte Angst, Fehler zu machen“.
- 44 · – FALSCH„sie hat in unserem Haus die letzten vier Jahre gearbeitet“ — neu ist nur ihre Rolle als Gruppenleiterin.
- 45 · + RICHTIG„Wir nehmen pro Tag höchstens zehn Räder an, und die Anmeldung geht nur persönlich, nicht am Telefon“.
TEIL 2 — ONE CONVERSATION, TWICE
- 46 · + RICHTIG„Die Wohnung selbst verändert sich kaum“ — verändert hat sich die Zahl der Menschen darin.
- 47 · – FALSCH„nicht weil sie es romantisch finden, sondern weil die Mieten es erzwingen“.
- 48 · + RICHTIG„geben 62 Prozent der Befragten an, sie würden das Zusammenwohnen sofort beenden, wenn sie sich eine eigene Wohnung leisten könnten“.
- 49 · – FALSCH„Langsam, und sie reagieren falsch“ — es ist nicht nur das Tempo, auch die Richtung.
- 50 · – FALSCH„wir verlieren jedes Jahr mehr Wohnungen, als wir bauen“.
- 51 · + RICHTIG„Was fehlt, sind Zweizimmerwohnungen, die bezahlbar sind … den Bedarf zu decken“.
- 52 · + RICHTIG„Der Bau einer kleinen Wohnung ist pro Quadratmeter teurer als der einer großen“.
- 53 · – FALSCH„Fangen Sie aber nicht mit dem Bauen an. Fangen Sie mit dem Bestand an“.
- 54 · + RICHTIG„In Wien ist mehr als die Hälfte des Wohnungsbestands so entstanden“ — gemeint ist der genossenschaftliche Weg.
- 55 · – FALSCH„Nicht eins zu eins. Wien hat eine andere Geschichte und sehr viel Boden in öffentlicher Hand“.
TEIL 3 — FIVE TEXTS, EACH TWICE
- 56 · – FALSCH„Neuer Ort: das Gebäude in der Goethestraße 14, zweiter Stock“ — die Schillerstraße ist der alte Raum.
- 57 · + RICHTIG„Wer am Mittwoch kommt, hat Pech: An diesem Tag ist das Kino geschlossen“.
- 58 · – FALSCH„am Nachmittag dann sonnig, aber kühl: Höchstwerte um zwölf Grad“.
- 59 · – FALSCH„Zeitungen gibt es dort nicht mehr — den Kiosk finden Sie in der Bahnhofshalle“.
- 60 · + RICHTIG„Damenröcke kosten heute 39 Euro“ — genau die Zahl aus der Aussage.
TRANSKRIPTIONEN
ONLY AFTER SUBMITTING — ALWAYS IN THIS SOLUTION BOOK
HÖREN 1 · TEXT 1 — Ansage im Hausflur
SPRECHERINGuten Tag, hier ist Frau Ostermann aus dem Erdgeschoss. Ich weiß, dass im Haus viele erst abends zu Hause sind, aber wir müssen über die Mülltonnen sprechen. Seit zwei Wochen steht unser Restmüll neben den Containern, weil sie schon am Mittwoch voll sind. Ich habe gestern beim Vermieter angerufen, und der sagt: Wir können zwei zusätzliche Tonnen bekommen, aber wir müssen sie selbst beim Bauhof abholen. Ich fahre am Samstag hin und brauche jemanden mit einem Anhänger. Wer Zeit hat, meldet sich bitte bei mir in der Wohnung zwei.
HÖREN 1 · TEXT 2 — Interview über den Berufsstart
SPRECHERIch habe nach dem Studium acht Monate gebraucht, bis ich eine Stelle hatte. Nicht, weil ich zu wenige Bewerbungen geschrieben habe — ich habe über hundert geschrieben —, sondern weil ich zu lange geglaubt habe, dass nur die großen Konzerne gute Arbeit haben. Am Ende hat mir eine Kollegin aus einem Praktikum von einer kleinen Firma erzählt. Ich habe mich beworben, zwei Wochen später war das Gespräch, und heute bin ich dort Projektleiter. Meine Aufgabe dort ist übrigens viel spannender, als ich mir das im Studium vorgestellt habe.
HÖREN 1 · TEXT 3 — Radio: Anruf eines Hörers
SPRECHERINIch bin 58 und habe vor einem Jahr angefangen, Deutsch zu lernen — nicht für meine Arbeit, ich arbeite längst nicht mehr, sondern weil meine Enkel in Wien leben und ich mit den Eltern der anderen Kinder reden wollte. Am schwierigsten war für mich nicht die Grammatik, sondern das Sprechen selbst: Ich hatte Angst, Fehler zu machen, und habe deshalb lange nichts gesagt. Heute habe ich eine Sprachpartnerin, wir telefonieren jeden Dienstag. Und ich mache etwas, das mir niemand zugetraut hat — ich halte im Kurs die erste Reihe.
HÖREN 1 · TEXT 4 — Mitteilung aus dem Kindergarten
SPRECHERLiebe Eltern, wir schreiben Ihnen heute, weil sich bei uns im Team etwas ändert. Ab dem ersten des Monats übernimmt Frau Kovač die Leitung der Gruppe Blau. Sie kommt aus unserer Nachbargruppe, ist also keine Fremde — sie hat in unserem Haus die letzten vier Jahre gearbeitet. Neu ist außerdem, dass wir ab dem ersten die Betreuung bis 17 Uhr anbieten, wie wir es im letzten Elternabend besprochen haben. Die Kinder, die das Angebot nutzen, brauchen ein eigenes Formular, das Sie am Eingang finden.
HÖREN 1 · TEXT 5 — Telefonansage einer Werkstatt
SPRECHERINSie haben die Werkstatt am Ring angerufen. Wir haben ab Montag geänderte Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von acht bis siebzehn Uhr, Freitag bis vierzehn Uhr, Samstag geschlossen. Wichtig für alle, die ein Fahrrad zur Reparatur bringen: Wir nehmen pro Tag höchstens zehn Räder an, und die Anmeldung geht nur persönlich, nicht am Telefon. Rechnen Sie mit ungefähr drei Tagen, bis Ihr Rad fertig ist. Ersatzteile können wir nicht immer am nächsten Tag besorgen, deshalb kann es länger dauern. Der Kostenvoranschlag ist kostenlos, aber nur, wenn Sie das Rad zu uns bringen.
HÖREN 2 · CONVERSATION
MODERATORWir sprechen heute darüber, wie wir in zehn Jahren wohnen. Zu Gast ist Frau Dr. Miriam Ostwald vom Institut für Stadtforschung. Frau Ostwald, was verändert sich wirklich?
OSTWALDDas Erstaunliche ist: Die Wohnung selbst verändert sich kaum. Was sich verändert, ist die Zahl der Menschen, die sie sich teilen. Vor zwanzig Jahren wohnte eine Familie allein in einer Dreizimmerwohnung; heute ziehen zwei Generationen zusammen, nicht weil sie es romantisch finden, sondern weil die Mieten es erzwingen. In unserer Erhebung in vier Städten geben 62 Prozent der Befragten an, sie würden das Zusammenwohnen sofort beenden, wenn sie sich eine eigene Wohnung leisten könnten.
MODERATORUnd die Städte? Reagieren sie darauf?
OSTWALDLangsam, und sie reagieren falsch. Fast alle Diskussionen drehen sich um Neubau. Neubau ist nötig, keine Frage, aber wir verlieren jedes Jahr mehr Wohnungen, als wir bauen — weil große Wohnungen geteilt werden und kleine nicht mehr entstehen. Was fehlt, sind Zweizimmerwohnungen, die bezahlbar sind. In Freiburg haben wir ausgerechnet: Wir müssten die Zahl der kleinen Wohnungen verdoppeln, um den Bedarf zu decken.
MODERATORWer könnte das bezahlen?
OSTWALDDas ist die unbequeme Antwort: Der Bau einer kleinen Wohnung ist pro Quadratmeter teurer als der einer großen. Deshalb lohnt sich für Investoren genau das Gegenteil von dem, was die Stadt braucht. Es gibt zwei Wege. Der erste ist eine Quote: Wer ein Grundstück kauft, muss einen bestimmten Anteil kleine Wohnungen bauen. Der zweite Weg ist, dass Genossenschaften selbst bauen — sie rechnen anders, weil sie nicht verkaufen, sondern vermieten wollen. In Wien ist mehr als die Hälfte des Wohnungsbestands so entstanden, und Wien ist nicht zufällig die günstigste Metropole im deutschsprachigen Raum.
MODERATORKann man das übertragen?
OSTWALDNicht eins zu eins. Wien hat eine andere Geschichte und sehr viel Boden in öffentlicher Hand. Was sich übertragen lässt, ist die Haltung: Wohnen ist zu wichtig, um es allein dem Markt zu überlassen. Fangen Sie aber nicht mit dem Bauen an. Fangen Sie mit dem Bestand an: In Deutschland stehen über eine Million Wohnungen leer, viele davon dort, wo es keine Arbeit gibt. Das ist kein Wohnungsproblem, das ist eine Frage von Verkehr und Arbeitsplätzen. Und darüber redet niemand, weil es länger dauert als eine Wahlperiode.
MODERATORFrau Ostwald, vielen Dank für das Gespräch.
HÖREN 3 · TEXT 1 — Kursbeginn
ANSAGEInformation der Volkshochschule für alle, die sich für den Abendkurs Deutsch B1 angemeldet haben. Der Kurs beginnt nicht am elften, sondern am achtzehnten September, weil der Raum in der Schillerstraße noch belegt ist. Neuer Ort: das Gebäude in der Goethestraße 14, zweiter Stock. Bringen Sie bitte am ersten Abend Ihren Ausweis mit, aber keine Bücher — die Materialien sind in den Kursgebühren enthalten.
HÖREN 3 · TEXT 2 — Kino
ANSAGESie hören das Kinoprogramm für die kommende Woche. Der Film „Die Nachbarschaft“ läuft ab Donnerstag im Filmcasino, und zwar täglich um 19 Uhr und am Wochenende zusätzlich um 21.30 Uhr. Wer am Mittwoch kommt, hat Pech: An diesem Tag ist das Kino geschlossen. Neu ist, dass Sie Karten nicht mehr an der Kasse reservieren können — nur online oder telefonisch ab zehn Uhr morgens.
HÖREN 3 · TEXT 3 — Wetter
ANSAGEUnd nun das Wetter. Der Vormittag beginnt im Norden mit Regen, der erst gegen Mittag nachlässt. Im Süden Bayerns wird es dagegen schon am Vormittag freundlich, am Nachmittag dann sonnig, aber kühl: Höchstwerte um zwölf Grad. In den Bergen ist mit starkem Wind zu rechnen, Wanderer sollten deshalb bis Dienstag warten. Die Nacht wird klar und kalt, in höheren Lagen gibt es leichten Frost.
HÖREN 3 · TEXT 4 — Im Zug
ANSAGESehr geehrte Fahrgäste, in wenigen Minuten erreichen wir Fulda. Der Zug endet hier außerplanmäßig, weil die Strecke nach Kassel gesperrt ist. Für Reisende nach Kassel stehen Busse bereit, sie fahren alle zwanzig Minuten vom Busbahnhof, der sich direkt neben dem Hauptausgang befindet. Fahrkarten behalten ihre Gültigkeit. Im Zugrestaurant können Sie bis Fulda noch Sandwiches und Getränke kaufen, Zeitungen gibt es dort nicht mehr — den Kiosk finden Sie in der Bahnhofshalle.
HÖREN 3 · TEXT 5 — Im Kaufhaus
ANSAGELiebe Kundinnen und Kunden, unsere Sommeraktion im ersten Stock: Damenröcke kosten heute 39 Euro, die Blusen dazu 19 Euro statt 29. Die Aktion gilt nur heute und nur im Haus, nicht im Onlineshop. Außerdem erinnern wir Sie daran, dass wir Artikel nach dem Kauf innerhalb von vierzehn Tagen zurücknehmen — bitte mit Kassenbon, ohne Ausnahme. Das Restaurant im Dachgeschoss bleibt heute wegen einer Schulung geschlossen; Kaffee bekommen Sie aber am Eingang.
SCHRIFTLICHER AUSDRUCK
ONE TASK · FOUR LEITPUNKTE · 45 P
THE FOUR LEITPUNKTE — EACH ONE IS AN OBLIGATION
- —welcher Termin Ihnen besser passt und warum
- —wie Selma am besten zu Ihnen kommt
- —was sie mitbringen kann — und was Sie nicht brauchen
- —was sie beachten muss, wenn sie bei Ihnen wohnt (inklusive Hund)
THE THREE CRITERIA — A/B/C/D = 5/3/1/0, SUM ×3 = 45
| I Aufgabenbewältigung | 5 | 3 | 1 | 0 |
| II Kommunikative Gestaltung | 5 | 3 | 1 | 0 |
| III Formale Richtigkeit | 5 | 3 | 1 | 0 |
MUSTERLÖSUNG
Liebe Selma,
über deine Nachricht habe ich mich sehr gefreut! Danke, dass du dir extra Urlaub nimmst.
Am besten passt mir der Juli, und zwar in der zweiten Woche. Im August habe ich noch Prüfungen, und außerdem ist meine neue Wohnung erst ab dem ersten Juli fertig — vorher könnte ich dir kein Bett anbieten.
Mit dem Zug wäre es einfacher. Von Wien gibt es eine direkte Verbindung, du bist in sechseinhalb Stunden hier, und am Bahnhof hole ich dich ab. Mit dem Auto wären es über sechshundert Kilometer, und in Leipzig sind die Parkplätze teuer.
Bring bitte nur deine Wanderschuhe mit — wir wollen in den Auenwald. Alles andere findest du hier. Wenn du willst, kannst du gerne einen Salat aus Österreich mitbringen, den ich noch nicht kenne. Handtücher und Bettwäsche brauchst du nicht, ich habe genug.
Wenn du bei mir wohnst, musst du nur eines beachten: Das Haus ist sehr hellhörig, also bitte abends keine Musik im Wohnzimmer. Deinen Hund darfst du mitbringen! Mein Vermieter erlaubt es, und im Hof wohnt niemand, den das stört. Du müsstest aber mit ihm dreimal am Tag nach unten.
Schreib mir bitte, ob der Termin für dich passt. Ich freue mich schon sehr!
Liebe Grüße
Mara- —Vier Leitpunkte, vier Absätze: Termin · Anreise · Mitbringen · Hausregeln. Jeder Absatz beantwortet genau einen Punkt — der Bewerter für Aufgabenbewältigung muss sie finden können, ohne zu suchen.
- —Der Eingangs-E-Mail folgt eine informelle Antwort: „Liebe Selma“, „dein/e“, „Herzliche Grüße“. Der Hund ist die Prüfung des Registers — eine halbformelle Antwort hätte hier Kommas gesetzt, wo keine hingehören.
- —Der vierte Leitpunkt verlangt zwei Dinge: die Hausregeln und eine Entscheidung zum Hund. Wer nur die Musik erwähnt, lässt die Hälfte des Punktes liegen.
- —Länge: telc nennt für den Schriftlichen Ausdruck keine Wortzahl. Diese Musterlösung ist bewusst ausführlich, damit alle vier Leitpunkte und beide Register sichtbar werden — in den 30 Minuten ist ein kürzerer, vollständiger Text fast immer die bessere Wahl als ein langer, unvollständiger.
MÜNDLICHER AUSDRUCK
THREE TEILE · FOUR CRITERIA · 75 P · PASS AT 45
Each of the three Teile is scored independently on the same four criteria — Ausdrucksfähigkeit · Aufgabenbewältigung · Formale Richtigkeit · Aussprache und Intonation. The bands differ between Teil 1 and Teile 2 and 3: in Teil 1 the first three criteria give 4/3/1/0 points each and pronunciation 3/2/1/0 (maximum 15); in Teile 2 and 3 they give 8/6/2/0 and 6/4/2/0 (maximum 30). Teil 1 = 15 P, Teil 2 = 30 P, Teil 3 = 30 P.
TEIL 1 — EINANDER KENNENLERNEN
- —Wie heißen Sie, und woher kommen Sie?
- —Wo wohnen Sie jetzt, und wie lange schon?
- —Was machen Sie beruflich — oder was möchten Sie machen?
- —Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
- —Warum lernen Sie Deutsch, und seit wann?
- —Was gefällt Ihnen an der Stadt, in der Sie jetzt leben?
TEIL 2 — TOPIC AND OPINION SHEETS
Umziehen für den Beruf
MEINUNGSBLATT I — DAFÜR
- · Ein Umzug für eine gute Stelle zahlt sich schneller aus als ein Weg von einer Stunde.
- · Wer in jungen Jahren flexibel ist, verdient später mehr.
- · Neue Städte bedeuten neue Kontakte und schnelleren Spracherwerb.
MEINUNGSBLATT II — DAGEGEN
- · Ein Umzug zerreißt das soziale Umfeld — im Alter wiegt das schwerer als das Gehalt.
- · Mieten und Preise fressen den Vorteil des höheren Lohns auf.
- · Wer pendelt, behält den Freundeskreis; nach zwei Jahren ist ein Umzug oft wieder nötig.
TEIL 3 — GEMEINSAM ETWAS PLANEN
Ihr Viertel möchte im Juni ein Hoffest organisieren: ein Fest für alle Nachbarinnen und Nachbarn mit Musik, Essen und etwas für Kinder. Sie planen es zusammen und haben dafür 300 Euro von der Stadt.
- —Wo gefeiert wird und wann
- —Wer was mitbringt und wer hilft
- —Wie das Geld verwendet wird
- —Wie es bei Regen weitergeht