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GERMANIUM

LÖSUNGSBUCH · MODELLTEST 1 — ARBEITEN UND LERNEN

Lösungen & Transkriptionen

Every answer with the reasoning, the modular thresholds per part, the official Schreiben criteria — and the full transcripts of everything you heard exactly once.

BEWERTUNG — DIE B1-RECHNUNG

MODULAR · JEDER TEIL 60/100

sehr gut100–90
gut89–80
befriedigend79–70
ausreichend (bestanden)69–60
nicht bestanden59–0

UMRECHNUNG

Lesen und Hören liefern je 30 Rohpunkte; diese werden auf die 100-Punkte-Skala umgerechnet, also × 3,33. Bestanden ist ein Teil ab 60 — das sind 18 von 30 Items. Schreiben und Sprechen werden direkt auf 100 bewertet.

B1 IST MODULAR

Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen werden getrennt bewertet und getrennt bestanden. Ein nicht bestandener Teil kann innerhalb eines Jahres beliebig oft wiederholt werden — die bestandenen Teile bleiben gültig. Anders als A1 und A2: dort wird immer die ganze Prüfung wiederholt.

LESEN — LÖSUNGEN

30 ITEMS · 30 ROHPUNKTE → 100

TEIL 1 — RICHTIG/FALSCH

  • 1RICHTIG — „Deutsch sprach ich damals vielleicht fünfzig Wörter“ und der gesamte weitere Weg bis zur bestandenen B1-Prüfung belegen das.
  • 2FALSCH — „ich lernte die Sprache nicht im Kurs, sondern im Vorbeigehen“ — den Kurs machte er erst später, zwei Abende pro Woche.
  • 3RICHTIG — „Sie hat mir am nächsten Tag ein Formular mitgebracht und gesagt, ich solle mich informieren.“ Sie hat nicht gelacht, sondern ihn auf den Weg gebracht.
  • 4FALSCH — „habe ich im ersten Versuch bestanden, aber nur mit vier Punkten über der Grenze“ — bestanden ja, deutlich nein.
  • 5RICHTIG — „Das Schwierigste war, dass ich zwei Tage in der Woche kein Geld verdiente“ — er sagt ausdrücklich, es waren nicht die Fachwörter.
  • 6FALSCH — „Ich verdiene jetzt weniger als damals, wenn ich die Nachtzuschläge rechne.“ Die Zuschläge gehören für ihn ins Gehalt.

TEIL 2 — ZWEI TEXTE (Text 1 · Text 2)

  • 7A — Der Text erklärt ausschließlich die erste Zeit in der Ausbildung: Erwartung, erste Woche, Fragen, Pünktlichkeit. Geld kommt nur in Text 2 vor.
  • 8B — „Die erste Woche ist organisatorisch, nicht fachlich“ — Schlüssel, Betriebsordnung, Sicherheitsvideo.
  • 9A — „nicht weil sie wichtiger wäre, sondern weil sie das Einzige ist, was man am Anfang wirklich zeigen kann“. Von Entlassungen ist keine Rede.
  • 10B — Der Text beschreibt den Wandel von der Marktsuche zur eigenen Ausbildung, die Kostenrechnung und die Folgen für Bewerber. Die Note ist nur ein Detail am Ende.
  • 11A — „Wer einen fertigen Ingenieur sucht, konkurriert mit hundert anderen Firmen und zahlt am Ende einen Preis, den nur große Unternehmen tragen können.“ Ein Gesetz wird nicht genannt.
  • 12B — „ob jemand sich selbständig eine Aufgabe sucht, wenn gerade niemand Zeit hat“ — sie achten ausdrücklich „weniger auf Leistung“.

TEIL 5 — ANWEISUNGEN / BEDINGUNGEN

  • 27B — §1: „eine Weitergabe an eine andere Person ist nur mit unserer schriftlichen Zustimmung möglich“.
  • 28C — §3: Nach dem dritten Tag vor Kursbeginn „sowie bei Nichterscheinen bleibt die volle Kursgebühr geschuldet“. Die Pauschale gilt nur im Fenster zwischen dem siebten und dritten Tag — nicht während des Kurses.
  • 29A — §4: „Versäumte Stunden können nicht nachgeholt und nicht erstattet werden … Bei längerer Krankheit sprechen Sie uns bitte an … ein Rechtsanspruch auf einen Ersatzkurs besteht jedoch nicht.“
  • 30B — §2: Bei Kursen über sechs Wochen — drei Monate sind länger — ist die Zahlung in drei gleichen Raten möglich, „die erste Rate ist am ersten Kurstag fällig“. Die Vierzehn-Tage-Frist der anderen Variante ist der Distraktor.

TEIL 3 — SITUATIONEN → ANZEIGEN A–J

  • 13Anzeige B — Arbeitslos, Ausbildung vorhanden, neue Qualifikation verlangt, selbst nicht bezahlbar: die Umschulung mit Bildungsgutschein-Förderung.
  • 14Anzeige A — Englisch im Kundenkontakt, Defizit am Telefon, abends nach 19 Uhr: Englisch für den Kundenkontakt, 19.30 Uhr, Telefontraining als Einzeltraining. (Anzeige C kommt infrage, ist aber nur für Teams — ein Einzelner ist kein Team.)
  • 15Anzeige G — Ein Arbeitsplatz für eine Person mit körperlicher Einschränkung und Bewerbung ohne vorherige persönliche Angaben: das Zentrum für Inklusion. (Anzeige F ist ein Ingenieurbüro, I sind Kurse, E ist unbezahlt — der Text verlangt ausdrücklich keine Diagnosen.)
  • 16Anzeige C — Ein Betrieb sucht ein Angebot für sein ganzes Team: die Inhouse-Trainings, die zu Ihnen kommen. Die Abendakademie in A ist Einzelunterricht für Sprache am Abend — hier geht es um das Team, und der Text nennt ausdrücklich fünf Kollegen.
  • 17Anzeige F — Erster Job nach dem Studium, Laborpraxis statt Berufserfahrung: „Berufseinsteiger willkommen“. (Der Text verlangt ausdrücklich Beratung in Deutsch und Englisch — das gehört zu J, nicht zu F.)
  • 18Anzeige H — Berufswechsel mit vierzehn Jahren Pflege — sie sucht einen kaufmännischen Weg, berufsbegleitend, weil sie noch im Beruf steht: Büromanagement und Buchhaltung, 6 Monate, berufsbegleitend. (Anzeige B setzt Arbeitslosigkeit und ein Fördergespräch voraus, das der Text nicht nennt.)
  • 190 — keine Anzeige — Keine Anzeige passt. Gesucht sind ZWEI Vormittage pro Woche und eine bezahlte Beschäftigung. Werkstatt 55+ (I) bietet Kurse an zwei Vormittagen, aber sie sind nicht bezahlt; Treffpunkt Ehrenamt (E) ist ausdrücklich ehrenamtlich. Deshalb 0. — Übrig bleiben die Anzeigen E und J, die zu keiner der sieben Situationen gehören.

WARUM ES HIER EINE 0 GIBT

Zehn Anzeigen, sieben Situationen, und die Anzeige aus dem Beispiel ist verbraucht. Für genau eine Situation gibt es keine passende Anzeige — laut Arbeitsanweisung wird dann 0 angekreuzt. Wer in dieser Situation auf gut Glück eine Anzeige „zurückgibt“, nimmt sie der Situation, die sie braucht, und verliert zwei Punkte statt einen.

TEIL 4 — IST DIE PERSON FÜR EIN VERBOT? · JA/NEIN

  • 20Sabine — NEIN — „Ich sage Nein — eine Ausnahme für medizinische Fälle wäre überprüfbar und einfach.“ Sie ist gegen das Verbot, obwohl sie klare Regeln im Unterricht befürwortet.
  • 21Tom — NEIN — „Ich halte das für reine Symbolpolitik … Kein Verbot der Welt löst ein Problem, das die Schule selbst gemacht hat.“ Klar dagegen.
  • 22Frau Wenisch — JA — „das Verbot ist der einzige Weg, der in der Praxis funktioniert … Mir ist ein klares Nein lieber.“ Sie ist dafür — obwohl sie einräumt, dass es am Ende nur der Praktikabilität dient.
  • 23Kai — NEIN — „Wenn die Schule es verbietet, verbietet sie mir das Werkzeug, mit dem ich arbeite.“ Er versteht die Sorge, ist aber dagegen.
  • 24Herr Aydın — NEIN — Der schwierigste Text: Er sagt „Ich bin also nicht überzeugt, dass ein Verbot richtig ist, aber ich kann den Erfolg nicht mehr wegdiskutieren.“ Er räumt den Erfolg ein, bleibt aber gegen das Verbot.
  • 25Nadia — JA — „Ein Verbot würde die Grenze für alle setzen — und ich hätte es leichter.“ Sie ist dafür, aus einem organisatorischen Grund, nicht aus Überzeugung.
  • 26Philipp — NEIN — „Ich bin strikt dagegen und würde lieber in Medienkunde investieren.“ Eindeutig gegen ein Verbot.

WARUM DIESER TEIL EIN BLICKFANG IST

Gefragt ist nie die Meinung des Kandidaten, sondern die der Person im Text — und gute Schreiber räumen genau hier die Gegenposition ein, ohne sie zu übernehmen („Ich bin also nicht überzeugt, dass ein Verbot richtig ist, aber ich kann den Erfolg nicht wegdiskutieren“). Wer den Schlusssatz liest und den Einwand für die Meinung hält, verliert den Punkt.

HÖREN — LÖSUNGEN

30 ITEMS · 30 ROHPUNKTE → 100

TEIL 1 — FÜNF KURZE TEXTE (JEDER ZWEIMAL) · 2 ITEMS PRO TEXT

  • 1RICHTIG — Die Ansage nennt ausdrücklich Gleis 12 statt Gleis 7 — die Änderung ist der Kern der Durchsage.
  • 2B — „Der Grund ist eine Signalstörung im Bereich des Hauptbahnhofs.“ Bauarbeiten und Verspätungen werden nicht genannt.
  • 3RICHTIG — „müssen wir den Termin verschieben“ — der Donnerstagstermin wird verlegt.
  • 4B — „Ihre Überweisung bringen Sie bitte zum nächsten Termin mit.“ Die Versichertenkarte ist der plausible Distraktor, wird aber nicht erwähnt.
  • 5FALSCH — „eine Anmeldung ist nicht nötig“ — das Gegenteil der Aussage; sie steht so nicht im Text.
  • 6A — „Wir zeigen Ihnen Küchenmaschinen und wie Sie sie richtig reinigen.“
  • 7FALSCH — Sie wird umgeleitet und bedient die Haltestelle Parkstraße nicht — die Aussage stimmt nicht.
  • 8C — „Fahren Sie aus der Innenstadt kommend am besten über die Nordallee.“ Ringstraße und Brückenstraße sind die Problemstellen, nicht die Empfehlung.
  • 9RICHTIG — „Ich muss leider arbeiten, ich habe den Frühdienst bekommen.“
  • 10B — „Die Anmeldung habe ich schon bezahlt, du kannst also einfach meinen Platz nehmen.“

TEIL 2 — VORTRAG / FÜHRUNG (NUR EINMAL)

  • 11B — „Berufserfahrung ist nicht das, was am meisten fehlt. Was fehlt, ist ein konkretes Bild davon, was Sie in der Stelle tun würden.“ — Berufserfahrung wird ausdrücklich verneint.
  • 12B — „Zahlen machen aus einer Behauptung einen Beweis.“ Dass Personaler Zahlen prüfen, steht nicht im Text.
  • 13A — „Ich lese das Anschreiben immer zuerst, und ich lese es nur einmal.“
  • 14B — „Ein Praktikum nach der Bewerbung ist zu spät. Fragen Sie VOR der Bewerbung.“ Genau die Umkehrung — sie nennt selbst vier Eingestellte, die das so gemacht haben.
  • 15B — Freizeitkleidung und ein Foto, das älter als drei Jahre ist — ihr Beispiel: langes Haar auf dem Foto, Glatze im Gespräch.

TEIL 3 — EIN GESPRÄCH (NUR EINMAL) · RICHTIG/FALSCH

  • 16FALSCH — Sie hat bis Freitag Zeit zu entscheiden — die Zusage ist noch offen, nicht die Stelle selbst.
  • 17RICHTIG — „Mit dem Zug brauche ich eine Stunde hin und eine zurück — jeden Tag zwei Stunden.“
  • 18FALSCH — „Die waren freundlich, wirklich.“ — auch die Abteilungsleiterin hat sich gekümmert.
  • 19RICHTIG — „mir sogar angeboten, dass ich einen Tag zum Mitlaufen kommen kann, bevor ich unterschreibe“.
  • 20FALSCH — „Genau wie besprochen, daran hat sich nichts geändert.“ Ihr Problem ist die Arbeitszeit, nicht das Gehalt.
  • 21RICHTIG — „wenn man noch ein Kind wegbringen muss“ — ihr Mann könnte das aber übernehmen.
  • 22FALSCH — „Ich habe in der Probezeit vier Wochen Kündigungsfrist“ — sie hat eine, und für sie ist das ein Vorteil.

TEIL 4 — RADIOSENDUNG (ZWEIMAL) · WER SAGT WAS?

  • 23B — Dr. Rainer Kolb — „ist die Hälfte der Aufgaben, die heute erledigt werden, vor zehn Jahren anders gemacht worden“ — Herr Kolb.
  • 24C — Yelena Arndt — „Hart, und zwar weniger fachlich als organisatorisch.“ — Frau Arndt korrigiert genau diesen Punkt.
  • 25C — Yelena Arndt — „Die Betreuung habe ich am Ende selbst gelöst, weil es keine passende Hortzeit gab.“
  • 26C — Yelena Arndt — „das war der Punkt, den keiner auf dem Zettel hatte“ — Frau Arndt.
  • 27A — Nina Wenzel — Frau Wenzel fragt nach, ob man die Förderung ganz lassen sollte — der Vorschlag, die Förderung zu beenden, kommt von ihr, um das Gespräch zu schärfen.
  • 28B — Dr. Rainer Kolb — „Wir fördern die Maßnahme und nicht den Menschen, der sie macht.“ — Herr Kolb.
  • 29B — Dr. Rainer Kolb — „sprechen Sie mit jemandem, der die Maßnahme schon gemacht hat. Nicht mit einem Berater wie mir.“ — Herr Kolb.
  • 30C — Yelena Arndt — „In meiner Klasse war ich die Einzige, die das gemacht hat.“ — Frau Arndt; die Aussage ist also falsch, und sie stammt von ihr.

HÖREN-DISZIPLIN

Teil 2 und Teil 3 hören Sie EINMAL — im echten Prüfungsraum hält die CD dafür nicht an. Sie haben vor Teil 2 und vor Teil 3 je eine Minute zum Lesen der Aufgaben und vor Teil 1 und Teil 4 zusätzlich ein Beispiel. Nach dem Ende des Hörverstehens bleiben fünf Minuten, um alle 30 Lösungen auf den Antwortbogen zu übertragen.

SCHREIBEN — LÖSUNGEN & KRITERIEN

3 AUFGABEN · 40 + 40 + 20 = 100

DIE VIER KRITERIEN JE AUFGABE

  • Erfüllung — Wurden alle Inhaltspunkte bearbeitet, ist die Meinung dargestellt, stimmen Anrede und Gruß zur Situation?
  • Kohärenz — Ist der Text logisch aufgebaut und sind die Textteile verbunden? Gibt es Einleitung und Schlusssatz?
  • Wortschatz — Wie groß ist der Wortschatz, und werden die Wörter korrekt verwendet?
  • Strukturen — Wie gut beherrschen Sie die Grammatik? Stören Fehler das Verständnis?
  • Die harte Regel: Erfüllung = 0 Punkte → der gesamte Text wird mit 0 bewertet, unabhängig von den anderen drei Kriterien. Das passiert immer, wenn der Text weniger als die Hälfte der geforderten Länge hat oder das Thema verfehlt.
  • Punktverteilung: Teil 1 und Teil 2 je 10/10/10/10 = 40 Punkte, Teil 3 = 20 Punkte. Bestanden wird die Aufgabe nie einzeln — die 60 Punkte gelten für den gesamten Prüfungsteil Schreiben.

TEIL 1 — PRIVATE E-MAIL (CA. 80 WÖRTER · 40 P)

Sie haben vor vier Wochen eine neue Arbeitsstelle begonnen. Schreiben Sie eine private E-Mail an Ihre Freundin Mareike. Beschreiben Sie Ihre neue Arbeit. Sagen Sie, was Sie überrascht hat. Machen Sie einen Vorschlag für ein gemeinsames Treffen. Schreiben Sie etwa 80 Wörter. Schreiben Sie zu allen drei Punkten.

  • —Beschreiben Sie Ihre neue Arbeit.
  • —Sagen Sie, was Sie überrascht hat.
  • —Machen Sie einen Vorschlag für ein gemeinsames Treffen.

MUSTERLÖSUNG

Hallo Mareike,

endlich melde ich mich! Seit vier Wochen arbeite ich in der Buchhaltung eines Autohauses, immer von acht bis sechzehn Uhr. Die Kollegen sind geduldig, und ich habe zum ersten Mal einen Samstag frei.

Überrascht hat mich, wie ruhig es dort ist. In der Küche musste ich immer gleichzeitig hören, laufen und antworten.

Hast du am nächsten Wochenende Zeit? Wir könnten uns am Samstag um elf in unserem Café treffen.

Liebe Grüße
Amira
  • —Drei Leitpunkte = drei Inhaltspunkte. Jeder muss erkennbar bearbeitet sein: Beschreibung · Überraschung · Vorschlag mit Ort und Zeit.
  • —Perfekt für das Berichtete („Seit vier Wochen arbeite ich“ ist Präsens, „Überrascht hat mich“ ist Vergangenheit) — im privaten Brief ist das Präteritum von haben/sein normal, das erzählende Perfekt ebenfalls.
  • —Register: du-Form ohne „Sehr geehrte“. Anrede + Gruß mit Vorname. Ein gemischtes Register kostet Erfüllung UND Sprache.
  • —Länge im Blick: etwa 80 Wörter. Unter 40 Wörtern (50 %) gilt die Aufgabe als nicht erfüllt → 0 für den ganzen Text.
  • —Ein konkreter Vorschlag braucht Ort und Zeit. „Wir müssen uns mal treffen“ ist kein Vorschlag und verliert den dritten Inhaltspunkt.

TEIL 2 — FORUMSBEITRAG (CA. 80 WÖRTER · 40 P)

DIE TEXTVORLAGE

„Ich bin auf dem Land aufgewachsen und vor drei Jahren in die Stadt gezogen. Meine Freunde sagen, ich hätte mehr Möglichkeiten, und das stimmt: Theater, Kurse, drei Sprachen in einem Abendkurs. Aber ich zahle für zwei Zimmer so viel wie meine Schwester für ein ganzes Haus. Ich weiß bis heute nicht, ob ich richtig entschieden habe.“ — Kommentar von „Lena_87“

In einem Internetforum lesen Sie den folgenden Beitrag. Schreiben Sie einen eigenen Beitrag, in dem Sie Ihre Meinung zu dem Thema äußern. Schreiben Sie etwa 80 Wörter. Begründen Sie Ihre Meinung und nennen Sie ein Beispiel.

  • —Äußern Sie Ihre Meinung zum Thema.
  • —Begründen Sie Ihre Meinung.
  • —Nennen Sie ein Beispiel.

MUSTERLÖSUNG

Meiner Meinung nach kommt es weniger darauf an, wo man lebt, als darauf, was man mit seinem Ort macht. Lena hat in der Stadt mehr Angebote, aber sie nutzt nicht alle — und ihr fehlt etwas, das auf dem Land selbstverständlich war.

Ich finde die Stadt trotzdem besser, weil ich ohne Auto arbeiten kann. Ich habe lange auf dem Land gewohnt und war jeden Tag zwei Stunden unterwegs.

Man kann natürlich einwenden, dass das eine Frage des Alters ist. Für mich war die Nähe zum Arbeitsplatz am Ende entscheidend.
  • —Teil 2 ist KEIN Brief: keine Anrede, kein Gruß, kein Name. Ein Forumsbeitrag heißt „Lena_87“ — wer „Hallo Lena“ schreibt, verliert Struktur- und Erfüllungspunkte.
  • —Die vier Bausteine, die Kohärenz prüft: Meinung → Begründung (weil) → Beispiel → Fazit. Alle vier brauchen einen eigenen Satz.
  • —Du kommentierst Lenas Beitrag nicht, du äußerst deine eigene Meinung zum THEMA — das steht ausdrücklich in der Aufgabe.
  • —Eine Gegenposition einzuräumen („Man kann natürlich einwenden, dass …“) hebt Erfüllung und Strukturen gleichzeitig und ist der schnellste Weg von Band B nach Band A.
  • —Etwa 80 Wörter. Unter 40 → Aufgabe nicht erfüllt, Text = 0.

TEIL 3 — HALBFORMELLE E-MAIL (CA. 40 WÖRTER · 20 P)

Sie besuchen einen Abendkurs an einer Sprachschule. Am ersten Kurstag waren Sie krank. Schreiben Sie eine halbformelle E-Mail an Ihre Kursleiterin, Frau Bauer. Entschuldigen Sie sich und erklären Sie die Situation. Bitten Sie um die Unterlagen der ersten Stunde. Fragen Sie, ob es eine Möglichkeit gibt, den Stoff nachzuholen. Schreiben Sie etwa 40 Wörter.

  • —Entschuldigen Sie sich und erklären Sie die Situation.
  • —Bitten Sie um die Unterlagen der ersten Stunde.
  • —Fragen Sie, wie Sie den Stoff nachholen können.

MUSTERLÖSUNG

Sehr geehrte Frau Bauer,

leider konnte ich am ersten Kurstag nicht kommen, weil ich krank war. Ich möchte mich dafür entschuldigen.

Wären Sie so freundlich, mir die Unterlagen der ersten Stunde zu schicken? Ich würde außerdem gern wissen, wie ich den Stoff am besten nachhole.

Vielen Dank im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen
Sofia Bäck
  • —Halbformell heißt Sie-Form, aber kein „Damen und Herren“: die Person ist bekannt und wird mit Namen angesprochen.
  • —Drei Sätze, drei Funktionen — Entschuldigung · Bitte um Unterlagen · Frage nach dem Nachholen. Bei 40 Wörtern hat kein Satz Platz für eine Abschweifung.
  • —Der Konjunktiv II ist hier die Schlüsselform: „Wären Sie so freundlich …?“ / „Ich würde gern wissen …“ — das ist Register und Struktur in einem.
  • —Etwa 40 Wörter, harte Untergrenze 20. Unter 20 Wörtern gilt die Aufgabe als nicht erfüllt.
  • —Grußformel mit Name ist Pflicht: „Mit freundlichen Grüßen“ ohne Namen wirkt unfertig und kostet Erfüllung.

SPRECHEN — MODELLANTWORTEN

100 PUNKTE · VORSTELLUNG UNBEWERTET · 28 + 40 + 16 + 16

VORSTELLUNG — DIE FRAGEN, DIE KOMMEN (NICHT BEWERTET)

  • Wie ist Ihr Name?
  • Woher kommen Sie, und wo wohnen Sie jetzt?
  • Wie lange lernen Sie schon Deutsch?
  • Haben Sie Deutsch in der Schule gelernt?
  • Warum lernen Sie Deutsch?
  • Was machen Sie beruflich?

Ich heiße Sofia Bäck, ich komme aus Schweden und wohne seit zwei Jahren in Düsseldorf. Deutsch lerne ich seit etwa achtzehn Monaten; in der Schule hatte ich Englisch, Deutsch war damals kein Fach. Ich lerne Deutsch, weil ich hier als Physiotherapeutin arbeiten möchte und weil ich die Prüfung für die Anerkennung brauche. Beruflich arbeite ich zurzeit in einer Praxis als Assistentin, bis meine Unterlagen anerkannt sind.

Die Vorstellung wird NICHT bewertet — sie dient zum Aufwärmen. Trotzdem: kurze, ganze Sätze, nicht einsilbig. Zwei bis drei Fragen kommen, und der erste Eindruck entscheidet, wie die Prüfer in Teil 1 zuhören.

TEIL 1 — GEMEINSAM PLANEN (28 P) · MUSTERDIALOG

AWir sollen also die Abschlussfeier planen. Hast du schon eine Idee, was wir machen?

BIch würde vorschlagen, dass wir grillen — das ist einfach und nicht so teuer. Wie findest du das?

AGrillen gefällt mir, aber wir sind zwölf Leute und viele essen kein Fleisch. Wie wäre es, wenn wir etwas in einem Raum der Sprachschule machen und jeder bringt etwas mit?

BDas ist auch gut. Dann sind wir nicht vom Wetter abhängig. Wann denn?

ADer Kurs endet am Freitag. Ich würde sagen Freitag nach dem Unterricht, so ab siebzehn Uhr.

BDa kann ich leider nicht, ich arbeite freitags bis acht. Am Samstag wäre besser — sagen wir von vier bis acht, dann ist es nicht zu lang.

ASamstag passt mir gut. Und wo? Im Kursraum drei ist Platz für zwölf, der wurde uns schon angeboten.

BEinverstanden, Kursraum drei. Jetzt die Frage, wer was mitbringt — ich könnte Getränke besorgen.

AIch mache einen Salat und frage die anderen, wer einen Kuchen bringt. Getränke klingen gut, aber acht Leute trinken bei uns nichts mit Alkohol.

BOkay, dann frage ich die Klasse, was gewünscht ist. Bringst du auch Pappteller und Becher mit?

AJa, das mache ich. Also: Samstag, vier bis acht, Kursraum drei, ich Salat, du Getränke, der Rest bringt Kuchen.

BAbgemacht.

Teil 1 lebt von Vorschlag, Reaktion und Gegenvorschlag — genau die Viererschritte „Wie wäre es …? · Das passt mir leider nicht, weil … · Dann vielleicht …? · Einverstanden.“ Ein Dialog, in dem nur einer redet, verliert Punkte, auch wenn er perfektes Deutsch ist. Begründete Ablehnung zählt zur Interaktion, nicht gegen Sie.

TEIL 2 — PRÄSENTATION (40 P) · MUSTERPRÄSENTATION

Ich möchte Ihnen heute meine Heimatstadt vorstellen. Sie heißt Visby und liegt auf der schwedischen Insel Gotland, in der Ostsee, etwa zweihundert Kilometer südlich von Stockholm. Visby ist nicht groß — sie hat ungefähr fünfundzwanzigtausend Einwohner —, aber sie ist eine der bekanntesten Städte Schwedens, weil die Altstadt noch von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgeben ist.

Typisch für Visby ist diese Mauer. Sie ist etwa dreieinhalb Kilometer lang und heißt auf Schwedisch „ringmuren“. Die Einwohner benutzen sie nicht als Sehenswürdigkeit, sondern als Orientierung: Wenn man nicht weiß, wo man ist, sucht man die Mauer.

In Visby kann man viel unternehmen. Im Sommer gibt es die Mittelalterwoche, dann tragen viele Menschen historische Kleidung. Man kann mit dem Fahrrad am Meer fahren und in der Altstadt in kleinen Cafés sitzen. Für meine Eltern war ein Ausflug zur Mauer am Sonntag das normale Wochenendprogramm.

Im Vergleich zu Deutschland ist einiges anders. Die Geschäfte schließen in Schweden früher, und Alkohol kauft man nur in einem staatlichen Geschäft, nicht im Supermarkt. Was mir hier in Düsseldorf auffällt: In Schweden ist mehr los, und die Leute schließen früher ab.

Am besten gefällt mir in Visby das Licht im Sommer — es wird nachts nicht richtig dunkel. Was ich ändern würde: Die Miete in der Altstadt ist unmöglich, junge Leute können dort nicht mehr wohnen. Das ist in vielen alten Städten so, und ich finde es die wichtigste Aufgabe der Stadt.

Teil 2 ist der größte Einzelpunktwert der ganzen Prüfung (40). Die fünf Folien sind Ihr Gerüst — jede Folie ein Absatz, jede Folie beginnt mit einer Signalformel („Ich möchte Ihnen vorstellen … / Typisch ist … / Im Vergleich zu … / Am besten gefällt mir …“). Sprechen Sie 3–4 Minuten und nutzen Sie Ihre Notizen: Sie dürfen und sollen sie benutzen. Ein Vortrag, der Folie 4 oder 5 überspringt, verliert Aufbau-Punkte, egal wie gut das Deutsch ist.

TEIL 3 — FEEDBACK UND FRAGEN (16 P)

AMir hat deine Präsentation gut gefallen. Besonders der Teil über die Stadtmauer war interessant — ich wusste nicht, dass man sie als Orientierung benutzt.

AIch hätte noch eine Frage: Ist es im Winter in Visby sehr leer, wenn der Sommer vorbei ist?

BJa, das ist ein großes Problem. Im Winter sind viele Geschäfte geschlossen und es ist oft dunkel. Im Sommer doppelt sich die Einwohnerzahl fast.

BDanke für die Frage. Und du hast von den Mieten gesprochen — warum ist das in Deutschland anders?

AIn Düsseldorf ist es ähnlich, aber hier gibt es mehr Neubauten. In Visby darf man in der Altstadt nicht einfach bauen, deshalb bleibt alles teuer.

Teil 3 sind 16 Punkte für drei Bewegungsschritte: 1) konkretes Lob aus der Präsentation (nicht „war gut“, sondern WAS), 2) eine echte Frage, 3) eine Antwort auf die Frage des Partners. Feedback ohne Frage verliert die Hälfte der Punkte, und eine Frage ohne Bezug zur Präsentation wird nicht als Frage zum Thema gewertet.

HÖRTEXTE — TRANSKRIPTIONEN

WORT FÜR WORT

TEIL 1 · TEXT 1 (ZWEIMAL GEHÖRT)

ANSAGEInformation für alle Reisenden nach Nürnberg: Der Regionalexpress um 14.32 Uhr fährt heute nicht von Gleis 7, sondern von Gleis 12 ab. Der Grund ist eine Signalstörung im Bereich des Hauptbahnhofs. Reisende mit Anschluss in Nürnberg erreichen den Zug nach München weiterhin, der Anschluss wartet zehn Minuten. Wir bitten um Ihr Verständnis.

TEIL 1 · TEXT 2 (ZWEIMAL GEHÖRT)

ANRUFBEANTWORTERGuten Tag, Praxis Doktor Reinhardt, ich rufe wegen Ihres Termins am Donnerstag an. Der Arzt ist am Donnerstagvormittag auf einer Fortbildung, deshalb müssen wir den Termin verschieben. Wir hätten am Freitag um 15 Uhr oder am Montag um 9.30 Uhr etwas frei. Bitte rufen Sie uns bis Mittwoch zurück, sonst streichen wir den Termin. Ihre Überweisung bringen Sie bitte zum nächsten Termin mit.

TEIL 1 · TEXT 3 (ZWEIMAL GEHÖRT)

DURCHSAGELiebe Kundinnen und Kunden, in unserer Elektroabteilung im ersten Stock findet heute von 16 bis 18 Uhr eine Vorführung statt: Wir zeigen Ihnen Küchenmaschinen und wie Sie sie richtig reinigen. Die Vorführung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig. Außerdem möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die Kassen im Erdgeschoss heute bis 20 Uhr geöffnet sind. Achtung: Es wurde ein Kind im Spielwarenbereich gefunden — die Mutter möchte es bitte an der Information im Erdgeschoss abholen.

TEIL 1 · TEXT 4 (ZWEIMAL GEHÖRT)

NACHRICHTENSPRECHERUnd nun der Verkehr für den Stadtbereich: Wegen eines Unfalls auf der Ringstraße in Höhe der Messe ist die rechte Spur gesperrt. Der Stau reicht bis zur Brückenstraße zurück, rechnen Sie mit etwa zwanzig Minuten Verzögerung. Die Buslinie 42 wird zwischen Messe und Hauptbahnhof umgeleitet und hält die Haltestelle Parkstraße heute nicht an. Fahren Sie aus der Innenstadt kommend am besten über die Nordallee.

TEIL 1 · TEXT 5 (ZWEIMAL GEHÖRT)

NACHRICHTHallo Sara, hier ist Jannik. Ich rufe wegen Samstag an — wir wollten ja zusammen zum Deutschkurs-Vortrag in die Volkshochschule gehen. Ich muss leider arbeiten, ich habe den Frühdienst bekommen. Der Vortrag beginnt um zehn und dauert zwei Stunden. Wenn du magst, geh trotzdem hin und erzähl mir danach alles. Die Anmeldung habe ich schon bezahlt, du kannst also einfach meinen Platz nehmen. Ruf mich am Abend an, ja?

TEIL 2 · VORTRAG (EINMAL GEHÖRT)

VORTRAGENDEGuten Morgen, mein Name ist Katrin Peters, ich leite bei einer Krankenkasse die Abteilung Personal und stelle dort seit elf Jahren Bewerber ein. Heute geht es um die Frage, die mir auf Messen am häufigsten gestellt wird: Wie bewerbe ich mich, wenn ich keine Berufserfahrung habe? Meine Antwort überrascht viele: Berufserfahrung ist nicht das, was am meisten fehlt. Was fehlt, ist ein konkretes Bild davon, was Sie in der Stelle tun würden.

VORTRAGENDEErstens: Schreiben Sie nicht, was Sie sind, sondern was Sie können. Ein Satz wie „Ich bin ein teamfähiger Mensch“ sagt mir nichts — das schreibt jeder. Wenn Sie drei Monate in einem Café gearbeitet haben, schreiben Sie, dass Sie in Spitzenzeiten bis zu achtzig Getränke pro Stunde gemacht haben. Zahlen machen aus einer Behauptung einen Beweis.

VORTRAGENDEZweitens: Das Anschreiben ist länger, als Sie denken. Viele Bewerber schreiben drei Zeilen und glauben, das reicht. Ich lese das Anschreiben immer zuerst, und ich lese es nur einmal. Wenn ich nach einer halben Seite noch nicht weiß, warum diese Person sich bei uns bewirbt und nicht bei jemand anderem, lege ich die Bewerbung weg. Die interessanten Informationen kommen also nach vorn, nicht ans Ende.

VORTRAGENDEDrittens, und das ist der Punkt, den fast alle falsch machen: Ein Praktikum nach der Bewerbung ist zu spät. Fragen Sie VOR der Bewerbung. Ich habe in den letzten Jahren vier Bewerber eingestellt, die vorher eine Woche bei uns hereingeschaut hatten. Zwei davon hatten keine einschlägige Erfahrung. Sie hatten nur gezeigt, dass sie sich kümmern.

VORTRAGENDEUnd zum Schluss eine Warnung: Schicken Sie niemals eine Bewerbung mit einem Foto in Freizeitkleidung oder einem Bewerbungsfoto, das älter als drei Jahre ist. Ein Bewerber hat mir einmal ein Foto geschickt, das ihn mit langen Haaren zeigte — beim Vorstellungsgespräch saß mir jemand mit einer Glatze gegenüber. Das war kein Grund, ihn abzulehnen, aber es war ein unnötiger Moment. Wir haben darüber die ersten fünf Minuten gesprochen, statt über seine Qualifikation.

TEIL 3 · GESPRÄCH (EINMAL GEHÖRT)

ANDREASSag mal, wie war eigentlich dein Vorstellungsgespräch gestern?

MELEKGemischt. Die Stelle wäre gut, aber ich weiß nicht, ob ich sie will.

ANDREASWarum? Du hast doch monatelang darauf hingearbeitet.

MELEKDas Büro ist in einem Gewerbegebiet. Mit dem Zug brauche ich eine Stunde hin und eine zurück — jeden Tag zwei Stunden, das hatte ich mir anders vorgestellt.

ANDREASUnd die Kollegen?

MELEKDie waren freundlich, wirklich. Die Abteilungsleiterin hat mir alles gezeigt und mir sogar angeboten, dass ich einen Tag zum Mitlaufen kommen kann, bevor ich unterschreibe.

ANDREASDas ist ungewöhnlich. Und die Bezahlung?

MELEKGenau wie besprochen, daran hat sich nichts geändert. Es ist eher die Arbeitszeit: Ich müsste um halb sieben anfangen, das heißt, ich stehe um halb fünf auf.

ANDREASDas klingt hart. Aber du warst doch bei deinem letzten Job in der Produktion auch früh dran.

MELEKIn der Produktion ja, aber da war ich zu Fuß in zwanzig Minuten da. Das ist etwas anderes, wenn man noch ein Kind wegbringen muss.

ANDREASUnd jetzt? Sagst du zu?

MELEKIch habe bis Freitag Zeit. Ich glaube, ich sage zu, aber ich möchte vorher mit meinem Mann reden — er könnte morgens die Kleine bringen, dann geht es.

ANDREASUnd wenn es nach drei Monaten nicht passt?

MELEKDann ist es so. Ich habe in der Probezeit vier Wochen Kündigungsfrist, das ist nicht schlimm. Ein Jahr ohne Entwicklung wäre schlimmer.

TEIL 4 · RADIOSENDUNG (ZWEIMAL GEHÖRT)

MODERATORINLebenslanges Lernen — das Wort hört man überall. Heute frage ich: Wer trägt eigentlich die Kosten, die Zeit und die Verantwortung dafür? Herr Kolb, Sie beraten Firmen. Ist lebenslanges Lernen eine echte Chance oder ein Schlagwort?

DR. KOLBEs ist beides, und das ist das Problem. Die Chancen sind real: In den Berufen, in denen wir beraten, ist die Hälfte der Aufgaben, die heute erledigt werden, vor zehn Jahren anders gemacht worden. Aber wir nennen es eine Chance für alle, und es ist nicht für alle gleich leicht.

MODERATORINFrau Arndt, Sie haben mit zweiundfünfzig eine Umschulung gemacht. Wie war das?

YELENA ARNDTHart, und zwar weniger fachlich als organisatorisch. Der Kurs ging elf Monate, jeden Tag von acht bis fünfzehn Uhr. Ich habe eine Tochter, damals dreizehn, und mein Mann arbeitet im Schichtdienst. Die Betreuung habe ich am Ende selbst gelöst, weil es keine passende Hortzeit gab.

MODERATORINUnd die Finanzierung?

YELENA ARNDTDer Kurs wurde bezahlt, das ja. Aber die Fahrtkosten, das war der Punkt, den keiner auf dem Zettel hatte: einhundertsiebzig Euro im Monat. Für elf Monate. Das hat niemanden interessiert, weil es nicht in der Förderung vorgesehen war.

DR. KOLBDas ist typisch. Wir fördern die Maßnahme und nicht den Menschen, der sie macht. Eine Firma rechnet nach Kosten pro Teilnehmer. Sie rechnet nicht nach dem, was passiert, wenn die Teilnehmerin müde im Unterricht sitzt, weil sie vorher zwei Stunden gefahren ist.

MODERATORINAber heißt das nicht, dass wir die Förderung ganz lassen sollten?

DR. KOLBNein, um Himmels willen, das Gegenteil. Ich sage: Die Maßnahme ist der billige Teil. Wer sparen will, spart an den falschen Stellen. Wenn eine Umschulung zwölftausend Euro kostet und Fahrtkosten von zweitausend Euro fehlen, dann ist das ein schlechtes Geschäft — nicht großzügig, sondern schlecht gerechnet.

YELENA ARNDTIch würde es trotzdem wieder machen. Ich habe nach der Umschulung fast zwölfhundert Euro mehr im Monat. Nach zwei Jahren hatte ich die Fahrten wieder drin. Aber ich hatte auch Glück mit dem Arbeitgeber.

MODERATORINUnd was raten Sie jemandem, der vor der Entscheidung steht?

YELENA ARNDTRechnen Sie alles, auch das, was keiner bezahlt. Und fragen Sie in der Firma nach, ob sie sich an den Kosten beteiligt — viele tun es, aber nur, wenn man fragt. In meiner Klasse war ich die Einzige, die das gemacht hat.

DR. KOLBUnd sprechen Sie mit jemandem, der die Maßnahme schon gemacht hat. Nicht mit einem Berater wie mir. Die Leute, die es hinter sich haben, sagen Ihnen in zehn Minuten, was in drei Broschüren nicht steht.

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