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GERMANIUM

LÖSUNGSBUCH · MODELLTEST 1 — ANKOMMEN IN WIEN

Lösungen & Transkriptionen

Every answer with the reasoning, the modular thresholds per part, the official Schreiben criteria — and the full transcripts of everything you heard exactly once.

BEWERTUNG — DIE B1-RECHNUNG

MODULAR · JEDER TEIL 60/100

sehr gut100–90
gut89–80
befriedigend79–70
ausreichend (bestanden)69–60
nicht bestanden59–0

UMRECHNUNG

Lesen und Hören liefern je 30 Rohpunkte; diese werden auf die 100-Punkte-Skala umgerechnet, also × 3,33. Bestanden ist ein Teil ab 60 — das sind 18 von 30 Items. Schreiben und Sprechen werden direkt auf 100 bewertet.

B1 IST MODULAR

Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen werden getrennt bewertet und getrennt bestanden. Jedes Modul erhält sein eigenes Modulzeugnis und kann beliebig oft wiederholt werden. Das Gesamtzertifikat gibt es, wenn alle vier Module innerhalb eines Jahres am selben Prüfungszentrum bestanden sind — die Uhr läuft also ab dem ersten Ergebnis, auch wenn das Modul selbst beliebig wiederholbar ist.

LESEN — LÖSUNGEN

30 ITEMS · 30 ROHPUNKTE → 100

TEIL 1 — RICHTIG/FALSCH

  • 1RICHTIG — „Ohne Anmeldung beim Meldeamt bekommt man keine Bankomatkarte“ — und daraus folgt im Text die ganze Kette bis zum Internetvertrag.
  • 2FALSCH — Der Text sagt „ohne Aufzug“ — das Haus hat also gar keinen, nicht einen, der gerade nicht funktioniert.
  • 3RICHTIG — „Geh zum Bäcker am Eck“ ist der wörtliche Rat, und die Autorin bestätigt ihn mit dem Satz, dass es stimmt.
  • 4FALSCH — Am ersten Tag durfte sie „zwei Stunden zuschauen“; serviert hat sie erst am zweiten Tag.
  • 5RICHTIG — „ich verstehe nicht immer, ob sie zusammen oder getrennt zahlen wollen“ — sie fragt inzwischen nach.
  • 6FALSCH — „muss nicht nur ich es erklären, sondern die Kollegin, die meine Arbeit gemacht hat“ — die Verspätung trifft beide.

TEIL 2 — ZWEI TEXTE (Text 1 · Text 2)

  • 7B — Der Text beschreibt die Fläche in Favoriten, die vierzig Familien gemeinsam betreuen — Beteiligung, Versammlung, Warteliste. Regeln kommen vor, aber immer als Regeln DIESES Projekts; ein Verkauf an Firmen wird nicht erwähnt.
  • 8A — „das Wasser bezahlt der Bezirk“ — Erde und Zaun gehören ausdrücklich zu dem, was die Familien selbst machen.
  • 9C — „Wer dreimal unentschuldigt fehlt, verliert sein Beet an die Warteliste“ — die Warteliste hat dreißig Namen, der Verlust ist also endgültig, nicht vorläufig.
  • 10B — Der Text erklärt zuerst den Mangel an Lehrlingen, dann die neue Ausbildungsmethode und die Rechnung, die dahintersteht. Die Arbeitslosigkeit ist nur der Auslöser, nicht das Thema.
  • 11B — „Nicht die Noten entscheiden, sondern ein dreitägiges Schnuppern“ — die Bewertung folgt aus dem Verhalten während dieser Tage.
  • 12A — „bekommt einen Nachmittag Nachhilfe im Haus — bezahlt vom Betrieb, nicht von den Eltern“ — die Kosten trägt also ausdrücklich nicht die Familie.

TEIL 5 — ANWEISUNGEN / BEDINGUNGEN

  • 27A — Beides wird ausdrücklich verlangt: Eintragung in die Liste und Abholung des Schlüssels beim Hausbesorger, der am selben Tag zurückgegeben wird.
  • 28B — Das Abstellen im Stiegenhaus, in den Gängen oder im Innenhof ist nicht erlaubt — erlaubt sind ausschließlich die beiden Velokeller.
  • 29B — Die Annahme ist erlaubt, aber ausdrücklich ohne jede Haftung; wer nicht annehmen möchte, lässt einen Vermerk beim Portier eintragen.
  • 30C — Die Kosten für die Neuanfertigung liegen bei der Mieterin, und wenn die Anlage betroffen ist, auch die für die Änderung der Schließanlage.

TEIL 3 — SITUATIONEN → ANZEIGEN A–J

  • 13Anzeige C — Abendkurs mit Prüfung am Ende und Förderung über den Bildungsscheck: das ist die Kombination, die der Text verlangt. Anzeige B ist ebenfalls am Abend, aber ein Sprachcafé ohne Kurs und ohne Prüfung.
  • 14Anzeige I — Vormittags, kleine Gruppe, von Grund auf: die Computertermine am Dienstag und Donnerstag. Der kostenlose Schnuppertermin passt zudem zum Zögern der Situation.
  • 15Anzeige B — Leute kennenlernen, abends nach achtzehn Uhr, ohne Anmeldung: das Sprachcafé am Dienstag von 19 bis 21 Uhr. Kurs C fällt weg, weil er eine Anmeldung voraussetzt.
  • 16Anzeige D — Zweimal in der Woche Hilfe für eine ältere Person, mit einer kleinen Entschädigung statt eines Gehalts: die Nachbarschaftshilfe im Bezirk. Anzeige E ist ausdrücklich unbezahlt.
  • 17Anzeige G — Selber reparieren, am Wochenende, mit Werkzeug und Anleitung: das Reparaturcafé am Samstagnachmittag. Die Kurs-Anzeige A betrifft nur Velos und ist außerdem nicht mehr verfügbar.
  • 18Anzeige H — Mietvertrag, kostenlose Beratung, kein Rechtsanwalt: genau das beschreibt der Wohnservice. Die Kurs-Anzeigen helfen hier nicht weiter.
  • 190 — keine Anzeige — Keine Anzeige passt. Gesucht sind eine Tätigkeit für ein zehnjähriges Kind UND ein kleiner Verdienst. Anzeige F nimmt Kinder von acht bis zwölf, aber es ist ein Kurs, und die Kinder bekommen kein Geld; Anzeige E bietet echte Mitarbeit, aber erst ab sechzehn Jahren, unbezahlt und nur am Samstag. Übrig bleiben die Anzeigen E, F und J, die zu keiner der sieben Situationen gehören.

WARUM ES HIER EINE 0 GIBT

Zehn Anzeigen, sieben Situationen, und die Anzeige aus dem Beispiel ist verbraucht. Für genau eine Situation gibt es keine passende Anzeige — laut Arbeitsanweisung wird dann 0 angekreuzt. Wer in dieser Situation auf gut Glück eine Anzeige „zurückgibt“, nimmt sie der Situation, die sie braucht, und verliert zwei Punkte statt einen.

TEIL 4 — IST DIE PERSON FÜR EIN VERBOT? · JA/NEIN

  • 20Stefan, 19, Graz — JA — „ist das Verbot am Ende die günstigere Lösung. Ich bin dafür“ — sie hat ihren Anfangsstandpunkt ausdrücklich geändert, die Richtung der Antwort bleibt ja.
  • 21Dagmar, 23, Leipzig — NEIN — „Warum verbieten, wenn im Endeffekt trotzdem alle fahren? Ich bin dagegen.“ — die Ironie am Anfang ist Stil, die Position steht am Schluss.
  • 22Kathleen, 49, Wien — JA — „Deshalb bin ich dafür.“ Der scheinbare Vorbehalt („verhindert keinen Sturz“) ist ein Zugeständnis, keine Gegenposition.
  • 23Marius, 34, St. Gallen — NEIN — „Ich bin gegen ein Verbot, und ich bin für jede Erneuerung der Gehsteige.“ — die Kritik richtet sich gegen den Zustand der Strassen, nicht gegen die Roller.
  • 24Jonny, 21, Berlin — NEIN — „wären mir lieber als ein Verbot. Ich bin dagegen.“ — er gibt das Fehlverhalten seiner Gruppe zu und lehnt das Verbot trotzdem ab.
  • 25Robert, 18, Winterthur — NEIN — „nicht noch ein Gesetz, das keiner prüft. Ich bin gegen ein Verbot.“
  • 26Marinette, 38, Basel — JA — „Trotzdem bin ich dafür“ — der Zweifel am Nutzen („ein Verbot die Innenstadt nicht rettet“) steht vor der Zustimmung, die Antwort bleibt ja.

WARUM DIESER TEIL EIN BLICKFANG IST

Gefragt ist nie die Meinung des Kandidaten, sondern die der Person im Text — und gute Schreiber räumen genau hier die Gegenposition ein, ohne sie zu übernehmen („Ich bin also nicht überzeugt, dass ein Verbot richtig ist, aber ich kann den Erfolg nicht wegdiskutieren“). Wer den Schlusssatz liest und den Einwand für die Meinung hält, verliert den Punkt.

HÖREN — LÖSUNGEN

30 ITEMS · 30 ROHPUNKTE → 100

TEIL 1 — FÜNF KURZE TEXTE (JEDER ZWEIMAL) · 2 ITEMS PRO TEXT

  • 1RICHTIG — Die Ansage nennt ausdrücklich Bahnsteig 9 statt Bahnsteig 5 — der Wechsel ist der Kern der Durchsage.
  • 2B — „der Anschluss wartet zehn Minuten“ — die Verzögerung gehört zum Stau am Hauptbahnhof, nicht zum Anschluss.
  • 3FALSCH — „Wenn Sie ein Sackerl brauchen, fragen Sie bitte an der Kassa“ — es gibt sie also, nur nicht am gewohnten Ort.
  • 4A — „Ab achtzehn Uhr gibt es frisches Gebäck um die Hälfte.“ Stofftaschen werden nur genannt, nicht verbilligt.
  • 5FALSCH — „deshalb müssen wir den Termin verschieben“ — der Donnerstag fällt weg, angeboten werden Samstag und Montag.
  • 6A — „Bitte bringen Sie den Meldezettel und einen Nachweis über Ihr Einkommen mit.“ Der Ausweis wird nicht verlangt.
  • 7FALSCH — „bedient die Haltestelle Stadion heute nicht“ — die Linie wird umgeleitet und lässt eine Haltestelle aus.
  • 8C — „Fahren Sie aus der Innenstadt kommend am besten über die Ostbahn.“ Die A2 und der Knoten sind die Problemstellen, nicht die Empfehlung.
  • 9RICHTIG — „Ich muss leider bis sechs arbeiten, ich habe die Spätschicht bekommen.“
  • 10B — „Die Karten habe ich schon gekauft, du kannst meine zweite nehmen.“

TEIL 2 — VORTRAG / FÜHRUNG (NUR EINMAL)

  • 11A — „Die Garderobe ist heute geschlossen, weil sie renoviert wird“ — Besucher benützen die Schließfächer im Eingangsbereich.
  • 12B — „Fotografieren ist in allen Räumen erlaubt, ohne Blitz, und nur für private Zwecke.“
  • 13C — „Wir treffen uns nach der Führung nicht hier, sondern im Café gegenüber“ — dort sind zwölf Plätze reserviert.
  • 14A — „ist bis Ende März nicht zugänglich“ — die Ausstellung wird ausdrücklich von der Führung ausgenommen.
  • 15B — „Bestellen Sie stattdessen im Biergarten auf der anderen Seite“ — vom Restaurant rät er ausdrücklich ab.

TEIL 3 — EIN GESPRÄCH (NUR EINMAL) · RICHTIG/FALSCH

  • 16FALSCH — „heute nur bis zur Station Karlsplatz“ — ab dort muss man umsteigen.
  • 17RICHTIG — „Das Fest gibt es jedes Jahr im Juni, heuer zum fünften Mal.“
  • 18FALSCH — „Es macht nicht der Bezirk, sondern die Hausgemeinschaften“ — die Stadt zahlt nur die Genehmigung.
  • 19FALSCH — „aber die spielen erst um neun Uhr abends“ — am Nachmittag gibt es nur das Kinderprogramm.
  • 20RICHTIG — „Letztes Jahr war es so voll, dass nach acht Uhr kein Salat mehr da war.“
  • 21FALSCH — „Sehr viel sogar — mehr als Fleisch, ehrlich gesagt.“
  • 22RICHTIG — „Dann kommen wir lieber früh.“ Sie müssen um zehn am Hauptbahnhof sein.

TEIL 4 — RADIOSENDUNG (ZWEIMAL) · WER SAGT WAS?

  • 23A — Eva Lindner — „Sie würden gerne billiger vermieten, aber die Kredite für die Häuser sind schon teuer“ — das berichtet die Moderatorin aus ihren Vorgesprächen.
  • 24A — Eva Lindner — „In dieser Stadt wurden im letzten Jahr viertausend Wohnungen fertig“ — die Zahl nennt die Moderatorin, um das Gespräch auf die Fakten zu ziehen.
  • 25B — Petra Huber — „Wo zu wenig gebaut wird, steigt der Preis“ — Huber sagt ausdrücklich, dass keine Förderung das ändert.
  • 26B — Petra Huber — „Wer eine Wohnung kauft, um sie leer stehenzulassen, soll keine Förderung bekommen.“
  • 27B — Petra Huber — „Wenn ich die Miete künstlich senke, hört der Bau auf.“
  • 28C — Thomas Berger — „auch bestehende Wohnungen werden teurer, obwohl niemand etwas verbessert hat“ — Bergers Kernbeobachtung aus der Beratung.
  • 29C — Thomas Berger — „Zwei Jahre Leerstand kosten die Stadt nichts, während die Nachbarn die teureren Preise schon zahlen.“
  • 30C — Thomas Berger — „In fast jedem zweiten Schreiben, das bei uns eingeht, ist die Erhöhung falsch berechnet“ — und er nennt es die Regel, nicht den Einzelfall.

HÖREN-DISZIPLIN

Teil 2 und Teil 3 hören Sie EINMAL — im echten Prüfungsraum hält die CD dafür nicht an. Sie haben vor Teil 2 und vor Teil 3 je eine Minute zum Lesen der Aufgaben und vor Teil 1 und Teil 4 zusätzlich ein Beispiel. Nach dem Ende des Hörverstehens bleiben fünf Minuten, um alle 30 Lösungen auf den Antwortbogen zu übertragen.

SCHREIBEN — LÖSUNGEN & KRITERIEN

3 AUFGABEN · 40 + 40 + 20 = 100

DIE VIER KRITERIEN JE AUFGABE

  • Erfüllung — Wurden alle Inhaltspunkte bearbeitet, ist die Meinung dargestellt, stimmen Anrede und Gruß zur Situation?
  • Kohärenz — Ist der Text logisch aufgebaut und sind die Textteile verbunden? Gibt es Einleitung und Schlusssatz?
  • Wortschatz — Wie groß ist der Wortschatz, und werden die Wörter korrekt verwendet?
  • Strukturen — Wie gut beherrschen Sie die Grammatik? Stören Fehler das Verständnis?
  • Die harte Regel: Erfüllung = 0 Punkte → der gesamte Text wird mit 0 bewertet, unabhängig von den anderen drei Kriterien. Das passiert immer, wenn der Text weniger als die Hälfte der geforderten Länge hat oder das Thema verfehlt.
  • Punktverteilung: Teil 1 und Teil 2 je 10/10/10/10 = 40 Punkte, Teil 3 = 20 Punkte. Bestanden wird die Aufgabe nie einzeln — die 60 Punkte gelten für den gesamten Prüfungsteil Schreiben.

TEIL 1 — PRIVATE E-MAIL (CA. 80 WÖRTER · 40 P)

Sie sind vor drei Wochen umgezogen. Eine Freundin hat Ihnen beim Transport geholfen, konnte aber zu Ihrem Einweihungsfest am Samstag nicht kommen.

  • —Beschreiben Sie: Wie ist die neue Wohnung geworden?
  • —Begründen Sie: Warum war die Hilfe beim Umzug so wichtig für Sie?
  • —Machen Sie einen Vorschlag für ein Treffen.

MUSTERLÖSUNG

Hallo Mareike,

meine Wohnung ist endlich fertig! Sie ist klein, aber hell, und ich habe zum ersten Mal einen Balkon mit Platz für zwei Stühle. Mein Nachbar hat mir beim Kasten geholfen, sonst stünde er wohl noch im Stiegenhaus.

Ohne dich wäre der Umzug eine Katastrophe geworden: Ich hatte den Transporter vier Stunden, und die Kisten waren doppelt so viele wie geplant. Ich habe damals nicht daran gedacht, mich richtig zu bedanken.

Hast du am nächsten Sonntag Zeit? Ich koche etwas, und du siehst die Wohnung in Ruhe — ohne Kisten.

Liebe Grüße
Aylin
  • —Drei Inhaltspunkte werden verlangt — wer einen auslässt, verliert sofort Erfüllung, und diese Aufgabe wird auf 40 Punkte bewertet.
  • —Die Musterlösung hat 108 Wörter; die Aufgabe fragt circa 80. Über 130 Wörter kosten Zeit in Teil 2, die dort fehlt.
  • —Anrede und Gruß gehören zur Bewertung: „Hallo Mareike“ und „Liebe Grüße“ sind in Aufgabe 1 Pflicht, nicht Dekoration.
  • —„Stiegenhaus“ ist hier kein Fehler, sondern österreichisches Standarddeutsch für das Treppenhaus.

TEIL 2 — FORUMSBEITRAG (CA. 80 WÖRTER · 40 P)

DIE TEXTVORLAGE

www.diskussion-aktuell.at — Gästebuch zur Sendung „Stadtleben heute“, 14.03., 20.15 Uhr Ich kaufe seit zwei Jahren fast alles im Internet. Aber ich muss ehrlich sagen: Seit der Buchladen bei uns zugesperrt hat, fehlt in der Gasse etwas. Am Samstag stehen wir vor geschlossenen Auslagen und fahren in ein Einkaufszentrum, das genauso aussieht wie jedes andere. Bequem ist bequem — aber billig ist es am Ende nicht.

Sie haben eine Diskussionssendung über Einkaufen im Internet gesehen. Im Online-Gästebuch der Sendung finden Sie folgende Meinung. Schreiben Sie nun Ihre Meinung (circa 80 Wörter).

  • —Sagen Sie Ihre Meinung zum beschriebenen Problem.
  • —Nennen Sie einen Vorteil und einen Nachteil.
  • —Sagen Sie, was Sie selbst tun.

MUSTERLÖSUNG

Ich verstehe die Meinung im Gästebuch, teile sie aber nur zum Teil. Ich bestelle auch im Internet, meistens Bücher und Schuhe, weil ich keine Lust habe, nach der Arbeit durch die halbe Stadt zu fahren.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Auswahl ist größer und der Preis fast immer niedriger. Der Nachteil wiegt aber schwerer, als viele denken: Was im Internet billiger ist, verdient niemand in meinem Grätzl.

Ich versuche deshalb, Lebensmittel und Geschenke im Geschäft am Eck zu kaufen. Das ist teurer — aber ich kenne die Leute dort, und das ist mir etwas wert.
  • —Aufgabe 2 ist ein Diskussionsbeitrag: keine Anrede, kein Gruß, keine Formel — wer mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ beginnt, verliert Erfüllung und Textsorte in einem Schritt.
  • —Meinung + ein bis zwei Vor- und Nachteile: genau das verlangt der Bewertungsbogen. Die Musterlösung nennt je einen und belegt beide.
  • —Die Musterlösung hat 106 Wörter; die Aufgabe nennt circa 80. Kürzen ist hier ein Vorteil, nicht eine Schwäche.
  • —„Grätzl“ statt „Viertel“ oder „Nachbarschaft“ ist österreichisches Standarddeutsch und in einer Wiener Diskussionssendung genau richtig.

TEIL 3 — HALBFORMELLE E-MAIL (CA. 40 WÖRTER · 20 P)

Ihre Kursleiterin, Frau Berger, hat Sie zu einem Gespräch über Ihre persönlichen Lernziele eingeladen. Zu dem Termin können Sie aber nicht kommen.

  • —Entschuldigen Sie sich höflich.
  • —Berichten Sie, warum Sie nicht kommen können.
  • —Bitten Sie um einen neuen Termin.

MUSTERLÖSUNG

Sehr geehrte Frau Berger,

leider kann ich am Donnerstag um 16 Uhr nicht zu unserem Gespräch kommen — ich habe an diesem Tag eine Untersuchung im Spital und weiß nicht, wie lange sie dauert.

Ich möchte mich dafür entschuldigen. Wäre es möglich, den Termin auf nächste Woche Dienstag oder Mittwoch zu verschieben?

Mit freundlichen Grüßen
Aylin Demir
  • —Circa 40 Wörter, Sie-Form, Anrede und Gruß — alle drei Punkte sind Teil der Aufgabe, nicht Verzierung.
  • —Die Entschuldigung muss ein echter Satz sein („Ich möchte mich dafür entschuldigen“), nicht nur ein „Sorry“ in der ersten Zeile.
  • —„Wäre es möglich, …?“ ist der Konjunktiv II, den der Bewertungsbogen in dieser Aufgabe hören will.
  • —Die Musterlösung hat 66 Wörter — leicht über den geforderten 40, weil höfliche Formeln in dieser Textsorte Platz brauchen.

SPRECHEN — MODELLANTWORTEN

100 PUNKTE · VORSTELLUNG UNBEWERTET · 28 + 40 + 16 + 16

VORSTELLUNG — DIE FRAGEN, DIE KOMMEN (NICHT BEWERTET)

  • Wie ist Ihr Name?
  • Woher kommen Sie, und wo wohnen Sie jetzt?
  • Wie lange lernen Sie schon Deutsch?
  • Haben Sie Deutsch in der Schule gelernt oder in einem Kurs?
  • Warum lernen Sie Deutsch, und was möchten Sie damit machen?

Ich heiße Aylin Demir, ich komme aus Izmir und wohne seit einem Jahr in Wien, im siebten Bezirk. Deutsch lerne ich seit zwei Jahren, zuerst in einem Kurs in Izmir, jetzt in einem Kurs an der Volkshochschule. In der Schule habe ich Englisch gelernt, Deutsch erst später. Ich brauche das Zertifikat für meine Stelle als Köchin: Ohne B1 darf ich in der Küche nicht die Verantwortung für die Speisekarte übernehmen, und das ist genau das, was ich machen will.

Dieses Gespräch wird NICHT bewertet — es ist der erste Eindruck und sonst nichts. Zwei oder drei Sätze pro Frage sind genug; wer hier eine Rede hält, hat keine Pause mehr vor Teil 1. Antworten Sie in vollständigen Sätzen, schauen Sie die Prüfenden an, und wenn Sie eine Frage nicht verstehen, sagen Sie es ruhig: „Entschuldigung, können Sie das bitte wiederholen?“

TEIL 1 — GEMEINSAM PLANEN (28 P) · MUSTERDIALOG

SIEAlso, wir sollen ein Fest für die Nachbarschaft organisieren. Wann wäre es am besten?

PARTNERIch würde einen Samstag im Juni vorschlagen — da sind alle zu Hause. Wie wäre es mit dem 14. Juni?

SIEDer 14. passt mir gut. Und wo? Im Innenhof, oder ist das zu laut für die Erdgeschosswohnungen?

PARTNERIm Innenhof haben wir Schatten und Strom für die Musik. Die Familie unter mir ist im Juni sowieso verreist.

SIEGut. Dann müssen wir das aber früh genug ansagen — am besten zwei Wochen vorher. Wer bringt etwas mit?

PARTNERJeder eine Speise, das hat beim letzten Mal gut funktioniert. Ich könnte einen Salat machen. Und du?

SIEIch mache einen Kuchen. Aber sollten wir nicht eine Liste machen, damit am Ende nicht drei Kuchen und kein Brot da sind?

PARTNERGute Idee. Ein Blatt an der Haustür, wo sich alle eintragen. Und die Getränke? Die könnten wir über die Hauskassa zahlen.

SIEDas finde ich besser als bringen lassen — dann ist es gerecht. Und wenn es regnet?

PARTNERDann machen wir es im Stiegenhaus, das ist breit genug. Aber nur bis zehn, sonst beschweren sich die Nachbarn.

SIEEinverstanden. Fassen wir zusammen: Samstag, 14. Juni, Innenhof, Liste an der Tür, Getränke über die Hauskassa, bei Regen im Stiegenhaus bis zehn Uhr.

Das Themenblatt trägt vier Leitpunkte und danach ein „…“ — das heißt ausdrücklich: eigene Vorschläge sind erwünscht. Bewertet wird nicht, wer die bessere Idee hat, sondern INTERAKTION: auf den Partner eingehen, zustimmen, ablehnen und einen Gegenvorschlag machen. Eine Minute mit eigenen Ideen ohne ein einziges „Wie wäre es, wenn …?“ kostet hier mehr Punkte als ein schlechter Vorschlag.

TEIL 2 — PRÄSENTATION (40 P) · MUSTERPRÄSENTATION

Ich möchte heute über das Fahrrad im Alltag sprechen. Zuerst erzähle ich von meiner eigenen Situation, dann vergleiche ich mit meinem Heimatland, danach nenne ich Vor- und Nachteile, und am Ende fasse ich meine Meinung zusammen.

Ich bin vor zwei Jahren von Izmir nach Wien gezogen. In Izmir wäre ich nie mit dem Fahrrad in die Arbeit gefahren — die Strassen sind zu steil und der Verkehr ist zu dicht. Hier fahre ich jeden Tag zwanzig Minuten zum Kaffeehaus, und ich bin schneller als mit der Straßenbahn.

In meinem Heimatland ist das Rad ein Sportgerät, nicht ein Verkehrsmittel. In Wien sehe ich es anders: Kinder fahren in die Schule, und ältere Leute fahren zum Markt. Ein Beispiel: Meine Nachbarin ist zweiundsiebzig und fährt mit einem E-Bike einkaufen.

Ein Vorteil ist, dass ich kein Ticket brauche und mich bewege, ohne extra Sport zu machen. Ein Nachteil ist das Wetter — im Jänner fahre ich manchmal drei Wochen nicht — und ein zweiter Nachteil: Ohne sichere Abstellplätze ist das Rad nach einem Monat weg. Ich bin dafür, dass wir mehr fahren, aber die Stadt muss zuerst die Wege sicher machen.

Das war meine Präsentation zum Fahrrad im Alltag. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit — ich freue mich über Ihre Fragen.

ÖSD gibt für Teil 2 ZWEI Themen zur Wahl, nicht drei — Thema 1 oder Thema 2, und die Entscheidung treffen Sie in der Vorbereitung. Bereiten Sie deshalb beide Themen mit Notizen vor: fünf Folien dauern rund drei Minuten, und wer ohne Notizen spricht, verliert am Ende Folie 5. Die Folie „Situation in Ihrem Heimatland“ ist der Teil, den fast alle vergessen — der Prüfende hört genau darauf.

TEIL 3 — FEEDBACK UND FRAGEN (16 P)

PARTNERMir hat deine Präsentation gefallen, besonders der Teil über deine Nachbarin mit dem E-Bike. Ich hätte eine Frage: Fährst du auch im Jänner jeden Tag?

SIEDanke für die Frage. Nein, im Jänner fahre ich nicht jeden Tag — bei Glatteis nehme ich die Straßenbahn. Das habe ich in der Präsentation vielleicht zu positiv dargestellt.

PRÜFERSie haben gesagt, die Stadt muss zuerst die Wege sicher machen. Was meinen Sie damit konkret?

SIEIch meine getrennte Radwege, nicht nur Markierungen auf der Straße. Bei uns in der Gasse endet der Radweg plötzlich, und dann muss man sich zwischen Autos und Straßenbahn entscheiden.

SIEUnd jetzt ich zu dir: Du hast über Geld sparen im Haushalt gesprochen. Was war für dich neu an der Situation in Österreich?

PARTNERFür mich war neu, dass die Leute hier so genau wissen, was sie im Supermarkt zahlen. Bei uns schaut fast niemand auf den Preis.

SIEDas ist interessant — genau das ist mir auch aufgefallen. Und was war für dich der schwierigste Teil deiner Präsentation?

Teil 3 hat drei Bestandteile und dauert nur zwei Minuten: reagieren, Rückmeldung geben, eine Frage stellen. Wer die Frage vergisst, verliert einen Teil der 16 Punkte, ohne dass die Sprache schlecht war. Konkrete Rückmeldungen („Besonders gut fand ich dein Beispiel mit …“) wirken besser als Höflichkeit ohne Inhalt — und ein Rückfrage-Anschluss an die Antwort des Partners zeigt Interaktion.

HÖRTEXTE — TRANSKRIPTIONEN

WORT FÜR WORT

TEIL 1 · TEXT 1 (ZWEIMAL GEHÖRT)

ANSAGEInformation für alle Fahrgäste des Railjet nach Salzburg: Der Zug fährt heute nicht von Bahnsteig 5, sondern von Bahnsteig 9 ab. Der Grund ist eine Weichenstörung im Bereich des Hauptbahnhofs. Fahrgäste mit Anschluss nach Innsbruck erreichen den Zug weiterhin, der Anschluss wartet zehn Minuten. Wir bitten um Ihr Verständnis.

TEIL 1 · TEXT 2 (ZWEIMAL GEHÖRT)

DURCHSAGELiebe Kundinnen und Kunden, unsere Kassa drei ist heute leider außer Betrieb. Bitte benützen Sie die Kassen eins, zwei und vier. Wenn Sie ein Sackerl brauchen, fragen Sie bitte an der Kassa — wir haben auch Stofftaschen zum Verkaufen. Ab achtzehn Uhr gibt es frisches Gebäck um die Hälfte. Und noch eine Information: Für den Samstag suchen wir noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Kassa. Bewerbungen bitte direkt beim Filialleiter.

TEIL 1 · TEXT 3 (ZWEIMAL GEHÖRT)

ANRUFBEANTWORTERGuten Tag, hier ist die Hausverwaltung Rammerstorfer. Es geht um die Wohnungsbesichtigung am Donnerstag in der Lerchengasse. Die Vormieterin ist krank geworden, deshalb müssen wir den Termin verschieben. Wir hätten am Samstag um zehn Uhr oder am Montag um siebzehn Uhr Zeit. Bitte bringen Sie den Meldezettel und einen Nachweis über Ihr Einkommen mit. Rufen Sie uns bitte bis Mittwoch zurück, sonst vergeben wir den Termin weiter.

TEIL 1 · TEXT 4 (ZWEIMAL GEHÖRT)

VERKEHRSFUNKUnd nun der Verkehr für den Großraum Graz: Nach einem Unfall auf der A2 in Richtung Wien bei der Ausfahrt Gleisdorf ist eine Spur gesperrt. Der Stau reicht bis zum Knoten Graz-Ost zurück, rechnen Sie mit etwa zwanzig Minuten mehr Fahrzeit. Die Buslinie 63 wird über die Grazbachgasse umgeleitet und bedient die Haltestelle Stadion heute nicht. Fahren Sie aus der Innenstadt kommend am besten über die Ostbahn.

TEIL 1 · TEXT 5 (ZWEIMAL GEHÖRT)

NACHRICHTGrüß dich, hier ist Nina. Ich rufe wegen Freitag an — wir wollten ja gemeinsam auf die Messe gehen. Ich muss leider bis sechs arbeiten, ich habe die Spätschicht bekommen. Die Messe ist bis zwanzig Uhr offen, das reicht also noch. Die Karten habe ich schon gekauft, du kannst meine zweite nehmen. Ruf mich am Abend an, ja?

TEIL 2 · VORTRAG (EINMAL GEHÖRT)

FÜHRERHerzlich willkommen in der Wiener Hofburg, meine Damen und Herren. Bevor wir durch die Kaiserappartements gehen, drei Hinweise. Erstens: Die Garderobe ist heute geschlossen, weil sie renoviert wird — wer einen Mantel oder ein Gepäckstück hat, benützt bitte die Schließfächer im Eingangsbereich. Zweitens: Fotografieren ist in allen Räumen erlaubt, ohne Blitz, und nur für private Zwecke. Drittens: Wir treffen uns nach der Führung nicht hier, sondern im Café gegenüber, wo für uns zwölf Plätze reserviert sind.

FÜHREREin Wort zur Ausstellung selbst: Wir sehen heute die Kaiserappartements mit den Arbeitszimmern von Franz Joseph und Elisabeth, dazu die Silberkammer. Die Sonderausstellung über die Wiener Küche, von der Sie vielleicht gehört haben, ist bis Ende März nicht zugänglich. Die Führung dauert etwa neunzig Minuten; das Museum ist bis siebzehn Uhr dreißig offen, Sie können danach jederzeit allein weitergehen.

FÜHRERZum Schluss eine Empfehlung, die nichts mit Geschichte zu tun hat: Wenn Sie noch Hunger haben, gehen Sie nicht in das Restaurant am Michaelerplatz — dort zahlen Sie für ein Schnitzel, was hier drei kosten. Bestellen Sie stattdessen im Biergarten auf der anderen Seite, wo man im Sommer draußen sitzt und die Kellner Sie nicht hetzen.

TEIL 3 · GESPRÄCH (EINMAL GEHÖRT)

NADIAEntschuldigung, fährt die Linie 2 hier Richtung Oper?

MICHAELJa, aber heute nur bis zur Station Karlsplatz, dort müsst ihr umsteigen. Ihr kommt zum Fest, oder?

NADIAGenau, zum Nachbarschaftsfest im Grätzl. Ich kenne mich hier noch nicht so gut aus.

MICHAELIch wohne seit zwei Jahren hier. Das Fest gibt es jedes Jahr im Juni, heuer zum fünften Mal.

NADIAUnd was ist daran besonders?

MICHAELEs macht nicht der Bezirk, sondern die Hausgemeinschaften: Die Leute aus den Häusern kochen und stellen Tische auf die Straße. Der Magistrat zahlt nur die Genehmigung.

NADIADas heißt, es gibt kein großes Bühnenprogramm?

MICHAELDoch, am Samstag spielt eine Band, aber die spielen erst um neun Uhr abends. Am Nachmittag ist nur Kinderprogramm: Töpfern, Malen und eine Führung durch den Hof, wo die Bäume gepflanzt wurden.

NADIAUnd das Essen?

MICHAELJedes Haus bringt etwas mit. Letztes Jahr war es so voll, dass nach acht Uhr kein Salat mehr da war. Ich bringe heuer doppelt so viel mit.

NADIAGibt es auch etwas für Vegetarier?

MICHAELSehr viel sogar — mehr als Fleisch, ehrlich gesagt. Nur beim Getränkestand muss man anstehen; das dauert zwanzig Minuten, wenn es voll ist.

NADIADann kommen wir lieber früh. Bis neun bleiben wir nicht, wir müssen um zehn am Hauptbahnhof sein.

MICHAELKein Problem. Und falls ihr länger bleiben wollt: Bei mir können die Kinder schlafen, meine Wohnung ist gleich gegenüber.

TEIL 4 · RADIOSENDUNG (ZWEIMAL GEHÖRT)

MODERATORINGuten Abend, Sie hören „Forum am Abend“. Die Mieten in den Städten steigen schneller als die Löhne, deshalb fragen wir heute: Soll Wohnen in der Stadt billiger werden — und wenn ja, wie? Bei mir im Studio sind Petra Huber vom Städtebund und Thomas Berger vom Mieterverein. Frau Huber, Sie sagen, billiges Wohnen sei vor allem eine Frage des Angebots. Was heißt das?

PETRA HUBERGanz einfach: Wo zu wenig gebaut wird, steigt der Preis, und keine Förderung ändert das. Wir bräuchten in den nächsten zehn Jahren doppelt so viele Wohnungen wie bisher — und zwar nicht am Rand der Stadt, sondern dort, wo die Leute arbeiten.

MODERATORINHerr Berger, teilen Sie diese Diagnose?

THOMAS BERGERIm Prinzip ja, aber das Angebot ist nur die halbe Wahrheit. Wir sehen in unseren Beratungen jeden Tag, dass auch bestehende Wohnungen teurer werden, obwohl niemand etwas verbessert hat. Wer eine Wohnung erbt, kann sie heute für das Dreifache vermieten. Diese Wohnungen sind keine neuen Wohnungen, und trotzdem steigt der Preis.

MODERATORINIch habe vor der Sendung mit drei großen Hausverwaltungen gesprochen. Alle drei sagen dasselbe: Sie würden gerne billiger vermieten, aber die Kredite für die Häuser sind schon teuer.

MODERATORINFrau Huber, Sie wollen die Förderung nicht für alle.

PETRA HUBERRichtig. Wer eine Wohnung kauft, um sie leer stehenzulassen, soll keine Förderung bekommen. Wir prüfen deshalb, ob eine Wohnung nach zwei Jahren wirklich bewohnt ist. Das ist unbequem, aber wirksam.

THOMAS BERGERIch halte diese Kontrolle für sinnvoll, aber sie kommt zu spät. Zwei Jahre Leerstand kosten die Stadt nichts, während die Nachbarn die teureren Preise schon zahlen. Ich würde bei der Anmeldung ansetzen, nicht erst danach.

MODERATORINBleiben wir kurz bei den Zahlen: In dieser Stadt wurden im letzten Jahr viertausend Wohnungen fertig — gebraucht werden nach Schätzungen achttausend. Ein Vorschlag, der oft kommt: Der Staat soll einfach Mieten deckeln.

PETRA HUBERDeckeln klingt einfach und ist es nicht. Wenn ich die Miete künstlich senke, hört der Bau auf. Dann haben wir in fünf Jahren billige Wohnungen, die es nicht gibt. Das haben wir in anderen Ländern gesehen.

THOMAS BERGERUnd trotzdem: Ohne Deckel ist Wohnen für Familien mit zwei Kindern in der Innenstadt nicht mehr möglich. Ich sage nicht, dass ein Deckel alles löst. Aber wer in einer Notwohnung lebt, braucht eine Grenze — nicht erst dann, wenn er auf der Straße steht.

MODERATORINLetzte Frage an beide: Was können Mieter selbst tun?

THOMAS BERGERZahlen prüfen. In fast jedem zweiten Schreiben, das bei uns eingeht, ist die Erhöhung falsch berechnet — das ist kein Einzelfall, das ist die Regel. Und: zu einer Beratung kommen, bevor man unterschreibt.

PETRA HUBERUnd sich zusammenschließen. Eine einzelne Unterschrift ändert nichts, eine Hausgemeinschaft mit dreißig Unterschriften wird gehört. Das ist keine Theorie, das funktioniert bei uns in der Stadt.

MODERATORINEin Schlusswort von Ihnen beiden?

PETRA HUBERWir haben heute viel über Preise gesprochen. Aber die Frage war, ob Wohnen billiger werden soll. Meine Antwort: Ja — und zwar dort, wo es am wenigsten weh tut.

THOMAS BERGERUnd meine Antwort steht schon: billiger für die, die zahlen, nicht für die, die verdienen.

SPRACHENTIẾNG VIỆTENGLISHITALIANO한국어РУССКИЙTÜRKÇE